Magdeburg l Er hat nichts gespürt, ihm hat nichts wehgetan, er hat sich "einfach nur gefreut", beschrieb der Bobpilot Nico Walther den Moment nach seiner letzten Zieldurchfahrt am vergangenen Sonntag in Königssee. Das ist tatsächlich überraschend, denn direkt hinter ihm im großen Schlitten saß Anschieber Marko Hübenbecker vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC). Und dessen Jubel nach einem gelungenen Lauf entlädt sich zuweilen als kraftvolles Umsichschlagen, zumeist in Richtung Pilot.

Vielleicht war Walther ja noch in Trance ob der Gewissheit, gerade den ärgsten Kontrahenten in der Weltcup-Qualifikation hinter sich gelassen zu haben. Aber am Tag nach dem entscheidenden Sieg über Manuel Machata (Stuttgart) klang der 24-Jährige wieder sehr realistisch: Am 4. Dezember brechen Walther und sein Team mit Hübenbecker, An-dreas Bredau, Birk Lösche (alle MSC) und Philipp Wobeto (SC Potsdam) auf nach Lake Placid (USA), wo die Saison vier Tage später startet. "Wir wollen uns nicht als schlechtestes deutsches Team dort platzieren und mit guten Startzeiten auf uns aufmerksam machen", erklärte Walther. Neben ihm starten für den Bob- und Schlittenverband Francesco Friedrich (Oberbärenburg) und Maximilian Arndt (Oberhof), in dessen Schlitten mit Kevin Korona der vierte MSC-Anschieber auf Weltcup-Tour steigen wird.

Seine letzte Reise nach Lake Placid hatte Walther vor sieben Jahren angetreten - als Rodler. Und als dieser war er sogar Junioren-Weltmeister 2009 und 2010. Trotzdem wurde ihm dann erklärt: "In der nationalen Spitze wird es für mich sehr eng." Und zum gleichen Zeitpunkt, "was mir natürlich gelegen kam", erinnerte sich Walther, wurde er auf seine Lust auf Bob angesprochen.

Im vergangenen Winter ist Walther im Zweier ebenfalls Junioren-Weltmeister geworden, und nach dem vergangenen Winter haben sich Hübenbecker (28), Bredau (30) sowie Lösche (26) und Wobeto (23) dem Mann vom BRC Riesa angeschlossen. "Das hat sich für mich ausgezahlt", so Walther. "Nicht nur, dass es menschlich passt, sie nehmen mir viel Organisatorisches ab, bereiten das Material vor." Und zuweilen gibt der gebürtige Burger Bredau ihm auch einen Rat in fahrerischer Hinsicht, berichtete der Pilot und schickt sogleich lachend hinterher: "Andreas hat in dieser Hinsicht eine gestärkte Wahrnehmung, und ich nehme seine Hinweise gerne zur Kenntnis."

Bereits am Sonntag hatte Norman Dannhauer, der MSC-Trainer, die Weltcup-Qualifikation mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen. "Da fällt doch eine Last von den Schultern", seufzte er freudig und jubelte über den Sieg des Walther-Vierers mit deutlichen 37 Hundertstelsekunden Vorsprung auf Machata. "Das Ergebnis zeigt, dass der Schritt zu Nico Walther für uns der richtige war", so der 35-Jährige.

Walther meinte über die insgesamt knappe Entscheidung nach drei Selektionsrennen übrigens: "Wir hätten Manuel Machata gerne deutlicher geschlagen." Dass daraus nichts wurde, lag sicher nicht daran, dass ihm beim Start zum letzten Lauf in Königssee Hintermann Hübenbecker den Ellenbogen an den Helm knallte. Man könnte auch sagen: Der Anschieber hatte sich bereits vor der Zieldurchfahrt auf die Reise nach Lake Placid gefreut.