Magdeburg l Lena Dankel und Lisa-Marie Reinhardt haben am Donnerstagmorgen der Kälte, dem Wind und (nicht zuletzt) dem eigenen Schweinehund den Kampf angesagt. Die Ruderinnen vom SC Magdeburg haben ihr Boot ins Wasser getragen, sind am Industriehafen hoch- und runtergeschippert. Und wäre Roland Oesemann dabeigewesen, dann hätte er Dinge gerufen wie: "und anziehen" oder "immer gemeinsam".

Trainer Oesemann ist derzeit aber nicht dabei, er weilt mit den Skullern Marcel Hacker, Philipp Syring und Max Appel in Avis (Portugal) im Trainingslager. Zurückgeblieben sind mit Reinhardt, Dankel, Carina Böhlert und Steven Weidner vier seiner Schützlinge, langweilig wird ihnen trotzdem nicht. "Wir werden uns im Kraftbereich weiterentwickeln", versprach nämlich Lena Dankel. "Wir werden voll durchpowern", stellte auch Steven Weidner, der neueste Athlet in der nun siebenköpfigen Oesemann-Gruppe, klar.

Weidner hat bei der Dortmunder Langstreckenregatta vor zwei Wochen am Ergometer überrascht: Über 2000 Meter steuerte er das Gerät nach 5:55,5 Minuten ins Ziel. "Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich gleich fünf Sekunden unter meiner bisherigen Bestzeit bleibe", berichtete der 18-Jährige, der mit Syring die Schulbank in der elften Klasse am Sportgymnasium drückt. Über 6000 Meter auf dem Wasser belegte er den 20. Rang.

Für Trainer Oesemann war es ebenso wichtig, dass "er sich mit solch einer Leistung präsentiert hat" - wichtig für die Suche nach einem Zweier-ohne-Partner. Weidner, der seit 2007 rudert, war bis vor zwei Jahren Skuller und ist dann zum Riemen gewechselt. Sein bislang größter Erfolg war der dritte Platz bei den deutschen Junioren-Meisterschaften im Vierer ohne in diesem Jahr.

Ob er aber in der neuen Saison tatsächlich als Riemer oder Skuller unterwegs sein wird, steht noch nicht fest. Seine Leistung von Dortmund lässt beide Möglichkeiten offen. Deshalb hat Weidner zunächst einmal keine Erwartungen an 2015. "Ich halte mir die Ziele offen", erklärte er. "Für mich ist alles neu, ich will mich reinfinden und schauen, was geht."

Was für Lena Dankel gehen soll, weiß sie dagegen sehr genau: "Wir wollen die U-23-Weltmeisterschaften im nächsten Jahr angreifen", sagte sie. Auch sie ist zuletzt in Dortmund Bestzeit gefahren am Ergometer (7:00,0 Minuten). Über 6000 Meter belegte sie Platz 21.

Die 18-jährige Studentin ist erst seit diesem Jahr auf Riemen spezialisiert. "Jetzt müssen wir noch eine Partnerin für mich suchen", erklärte sie. Das könnte mit Lisa-Marie Reinhardt ein SCM-Schützling werden, aber dazu muss es im Boot mit den beiden funktionieren. Reinhardt hatte mit 7:05,0 Minuten beim Ergotest in Dortmund ebenfalls Bestzeit erreicht. "Sie hat gezeigt, dass sie kämpfen und sich durchbeißen kann", lobte Coach Oesemann die 20-Jährige. So wie gestern: bei Kälte, Wind und Schweinehund.