Volksstimme: Vor dem Heimspiel am Sonntag gegen GWD Minden (Getec-Arena, 17.15 Uhr) liegt der SC Magdeburg in der Bundesliga auf Platz vier. Da können Sie zufrieden sein, oder?
Marc Schmedt: Natürlich haben die letzten vier Siege gutgetan, gerade das Lösen der Pflichtaufgaben stimmt mich positiv. Das macht die Mannschaft im Moment richtig gut. Aber der Tabellenplatz ist mit Blick auf den Saisonzeitpunkt und das enge Verfolgerfeld hinter den Top-Drei eine Momentaufnahme. Berücksichtigt man die personellen Veränderungen zum Saisonstart, können wir mit dem bisher Erreichten sehr zufrieden sein. Die Zusammenarbeit zwischen Trainer Geir Sveinsson, Mannschaft und Nachwuchs funktioniert gut. Und die Zuschauerresonanz ist überragend.

Wie erklären Sie die auch in dieser Saison wechselnden Leistungen der Mannschaft?
Ohne Frage sind Leistungen wie in Nettelstedt isoliert betrachtet schlecht. Hier trifft uns aber das gleiche Schicksal wie Berlin, Melsungen, Hannover, Hamburg und auch Göppingen, die alle Streichergebnisse während einer Saison quittieren müssen. Was diese Vereine und uns von den drei Top-Teams unterscheidet, ist die Fähigkeit jede Woche 100 Prozent Leistung abzuliefern. Qualität in der Handball- Bundesliga 2014 bedeutet eben nicht, einmal Flensburg oder Kiel zu schlagen, sondern die psychischen und physischen Voraussetzungen zu haben, jede Woche zu punkten. Das gelingt nur den Top-Teams.

Wo ist der SCM sportlich in dieser Saison einzuordnen?
So wie wir es immer kommuniziert haben: Wir spielen mit den vorgenannten Kandidaten um die Plätze fünf bis neun, im Idealfall landet einer dieser Vereine auf Platz vier. Alles dar-über hinaus ist Utopie.

Das wird dem erfolgsverwöhnten Publikum in Magdeburg aber nicht reichen?
Die Verhältnisse in der Bundesliga haben sich seit dem Champions-League-Sieg des SCM komplett verändert. Die alten Zeiten kommen so nicht wieder, weil die Rahmenbedingungen so nicht wiederkommen werden. Das ist nicht populär, aber leider wahr. Wir treten gegen zwölf Mäzenvereine an. Wenn Standorte wie Erlangen oder Bietigheim beginnen, das wirtschaftliche Potenzial ihrer Region zu heben, werden auch diese Clubs aufschließen. Und dort wird gut gearbeitet, die Verpflichtung von Weltklassetorhüter Darko Stanic in Bietigheim ist ein klarer Fingerzeig. Wenn wir an die Champions-League-Clubs nachhaltig heranwollen, dann fehlen uns pro Jahr zwischen einer und 1,5 Millionen Euro im Etat. Dieser Aufholprozess wird Jahre dauern und zudem wird sich das Gesicht der Mannschaft weiter verändern. Die Grundsatzfrage ist, ob wir diesen Weg in Magdeburg gehen wollen, oder ob wir uns mit dem erreichten Etappenziel zufriedengeben. Ich persönlich glaube, dass wir weitere Wachstumschancen haben.

Geld wirft also doch Tore?
Die wirtschaftliche Grundlage bietet die Basis für den sportlichen Erfolg. Das kann man gut finden oder nicht, aber so ist Handball in der Gegenwart. Die Rhein-Neckar Löwen haben über zehn Jahre mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr investiert. Der THW Kiel hat die gleiche wirtschaftliche Power, dann folgt die SG Flensburg-Handewitt. Und da spreche ich nicht mal von Standorten wie Paris, Skopje, Kielce oder Veszprem, da können selbst unsere deutschen Spitzenvereine wirtschaftlich nicht mithalten.

Das sind keine guten Aussichten für den Standort Magdeburg, oder?
Ganz im Gegenteil. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, den Verein zu sanieren, spielen mit unserer wirtschaftlich eher schwächeren Region in der stärksten und finanzkräftigsten Liga der Welt um die Europapokalplätze. Die Entwicklung des SCM wird ligaweit durchweg positiv bewertet, wir sind wieder eine solide und anerkannte Adresse. Spieler wie Finn Lemke entscheiden sich trotz lukrativerer Angebote für den SCM, weil hier mittelfristige Wachstums-perspektiven bestehen. Wir wollen uns in den nächsten Jahren nachhaltig in den Top 5 etablieren und wieder im Europapokal spielen, dieses Ziel ist ambitioniert, aber realistisch. Und davon lassen wir uns auch nicht durch Rückschläge, die immer wieder kommen werden, abbringen.

Seit Dezember ist Steffen Stiebler Sportlicher Leiter und entlastet Sie in Ihrer Arbeit. Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?
Ja. Bei Steffen Stiebler, Trainer Geir Sveinsson und mit Unterstützung von Jugendkoordinator und Youngster-Trainer Bennet Wiegert sind die sportlichen Entscheidungen in guten und kompetenten Händen. Ich trage als Geschäftsführer natürlich für die Handball Magdeburg GmbH die Gesamtverantwortung, muss und kann aber nicht jede Entscheidung treffen. Meine Schwerpunktthemen bleiben Sponsoring, Kommunikation, Markenentwicklung und der Kontakt zu Gremien und in die HBL.

Zuletzt haben immer wieder Spieler aus der zweiten Mannschaft an die Tür zur Bundesliga geklopft. Stammspieler ist keiner. Sind Sie dennoch mit der Einbindung des Nachwuches zufrieden?
Der SCM ist und bleibt einer der führenden Standorte der Handballausbildung in Deutschland. Durch die hohe Leistungsdichte und den Anspruch, uns in den Top 5 etablieren zu wollen, wird der Sprung von den SCM-Youngsters groß und größer. Nur wer sportlich und als Persönlichkeit in der 3. Liga über ein, zwei Jahre dominiert, hat eine Chance, den direkten Sprung ins Bundesligateam zu schaffen. Momentan ist Vincent Sohmann ein Anschlusskader, der bei Fortsetzung der konstanten Entwicklung spätestens 2016 zu den Profis aufrücken kann. Aber auch ein Umweg über die 2. Liga oder eine andere Bundesliga-Mannschaft ist zielführend. Dario Quenstedt ist das beste Beispiel dafür. Zudem beobachten wir beispielsweise die Entwicklung von Philipp Weber in Leipzig sehr aufmerksam. Es wäre wünschenswert, wenn sich in Sachsen-Anhalt wieder ein Zweitligist etablieren würde. In Dessau sind die Rahmenbedingungen, auch durch die Verpflichtung von Uwe Jung-andreas, dazu am besten.