Göppingen l Bartosz Jurecki hatte den Jubel nur mit einiger Verzögerung mitbekommen. Der 35-jährige Kreisspieler lag noch am Boden, als die Schlusssirene ertönte. Beim letzten Angriff hatte ein Schlag auf die Hand sein erstes Glücksgefühl zwangsläufig verdrängt. "Aber die Entwarnung kam kurz nach dem Spiel", sagte Steffen Stiebler, der Sportliche Leiter des SC Magdeburg, am Tag nach dem 36:33 (19:12)-Erfolg bei Frisch Auf Göppingen der Volksstimme: "Es ist nichts Schlimmeres passiert."

Das besondere Gefühl dieses Sieges vom Freitag in der EWS-Arena vermittelten die Magdeburger nicht nur mit einer überragenden ersten Hälfte, die Stiebler sogar "einen Wahnsinn" nannte. Sie lagen sich am Ende in den Armen, sie hüpften im Kreis, sie applaudierten den mitgereisten Fans.

SC Magdeburg hofft auf Rückrundenerfolg


Minuten später, nach Jubel, ersten Interviews und eingestreuter Autogramm-Stunde, lotste Kapitän Fabian van Olphen auch den letzten Akteur wie Michael Haaß von der Platte in die Kabine. Es wollte der Moment der Serie gefeiert werden. Über "Facebook" gingen die Bilder der Kabinen-Fete noch am späten Abend um die Welt.

"Das war ein guter Monat für uns", sagte Marko Bezjak, der slowenische Regisseur, über acht Punktspielsiege seit dem 22. November plus Pokal-Erfolg in Eisenach: "Ich hoffe, dass es in der Rückrunde so weitergeht. Gegen Gummersbach wollen wir den neunten Sieg." Der VfL gastiert am 15. Februar zum ersten Pflichtspiel 2015 in der Getec-Arena (17.15 Uhr).

"Wir hatten wenige Verletzungen, das hat die Jungs zu einer Einheit geformt." - Trainer Geir Sveinsson

Dieser unberechenbare Bezjak, der Frisch Auf mit seinen fünf Toren aus der Mitte, aus dem linken Rückraum oder vom Kreis überraschte, sollte dann die Erfolgsformel der vergangenen Wochen in einem Satz zusammenfassen - aber als Antwort kam nur ein tiefer Seufzer. Die Erfolge hatten zu viele Garanten. Wie jener in Göppingen. "Wir wollten im letzten Spiel alles geben. Das haben wir vor allem in der ersten Halbzeit mit einer sehr guten Leistung von Torhüter über Abwehr bis Angriff geschafft", erklärte der 28-Jährige.

Hansen bereut Wechsel nach Magdeburg nicht


Sein Trainer Geir Sveinsson hatte sich darin bestätigt gesehen, was er schon seit Wochen beobachtet: "Wir hatten wenige Verletzungen zu beklagen, das hat die Jungs zu einer kompakten Einheit geformt." Und die Jungs überwintern mit sieben Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Göppingen auf Tabellenplatz vier.

Zur Einheit gehört auch Espen Lie Hansen, der am Freitag zweimal traf und mit 50 Bundesliga-Toren heute die Urlaubsreise nach Thailand antritt. Mit Freundin Anneline geht es in die Wärme, auf die Insel Kho Hai. Und wie alle verabschiedet sich der Norweger mit den besten Eindrücken aus seinem ersten Liga-Halbjahr überhaupt: "Wir hatten in Göppingen einen fantastischen Start, haben den Gegner kontrolliert, über 60 Minuten unsere ganze Energie abgerufen. Das war wirklich ein schöner Sieg." Zu seiner eigenen Leistung meinte er: "Ich habe einen guten Job gemacht."

All seine Impressionen kann er nun in der thailändischen Einsamkeit verarbeiten. "In der ersten Saison hat man immer seine Hochs und Tiefs, die Mannschaft ist neu, die Liga ist neu", sagte der 25-Jährige über einen insgesamt schwierigen Start. Seine Entscheidung im Sommer für den SC Magdeburg hat er dennoch nicht bereut. "Es macht Spaß, in der Bundesliga zu spielen. Das Team ist toll, die Atmosphäre in der Getec-Arena ist toll. Und jetzt wollen wir gegen Göppingen auch das Final Four im Pokal erreichen", blickte er auf das Viertelfinale am 4. März voraus.

Es hat sich also noch längst nicht ausgejubelt - auch nicht für Bartosz Jurecki, der am Ende der Saison den SCM verlassen wird. Sein Nachfolger am Kreis wird laut Stiebler erst im neuen Jahr präsentiert.