Magdeburg/Tangermünde l Neues Jahr, neuer Verein, neues Glück - darauf hofft Till Hellbig. Seit dem 1. Januar ist der 19-Jährige offiziell für den SCM startberechtigt. Lange hat der Sprinter nach dem passenden Gesamtpaket Studium/Leistungssport gesucht - und er glaubt es nunmehr in Magdeburg gefunden zu haben. "Mein Bauchgefühl sagt mir: Das passt!", ist Hellbig, der im vergangenen Sommer mit dem Meistertitel der U20 über 200 Meter den bislang größten Erfolg feiern konnte, zum Jahreswechsel optimistisch gestimmt.

Die ersten Eindrücke, die der Norddeutsche nach seinem Umzug im Oktober in der neuen Heimat gesammelt hat, sind positiv. Und sie bestärken ihn darin, "den richtigen Schritt zur richtigen Zeit" gemacht zu haben, nachdem er sich zum Ende der Saison an einem Punkt angekommen sah, wo es galt, wegweisende Entscheidungen zu treffen.

Über Jahre hinweg hat Till Hellbig die nationale Spitze in den jeweiligen Altersklassen mitbestimmt, doch fürs internationale Geschäft hatte es nie ganz gereicht. 2014 sollte sein Jahr werden, die U-20-Weltmeisterschaften in Eugene/USA waren das Ziel. Es lief vielversprechend, die Leistungskurve zeigte nach oben. Dennoch scheiterte der 200-Meter-Meister mit einer Bestzeit von 21,27 Sekunden wieder nur knapp. "Sieben Hundertstel lag ich über der WM-Norm, doch der Verband kannte keine Gnade. Ich musste zu Hause bleiben. Das war schon ärgerlich."

Aber der SCM-Neuzugang gehört zum Typus Stehaufmännchen. Sein Motto: "Hinfallen ist keine Schande, solange man danach wieder aufsteht und weitermacht." Doch die Frage war: Wo und wie weitermachen? Hellbig, der gerade das Freiwillige Soziale Jahr beendet hatte, entschied sich für einen kompletten Neuanfang - an einem Ort, wo er ein Bachelor-Studium im Bereich Wirtschaftsingenieur/Logistik und Sport unter einen Hut bekommt. "Ich habe mich bundesweit umgeschaut und dabei eben auch Programme und Trainingsmethoden von mehreren Trainern unter die Lupe genommen." Das Gesamtkonzept von Marco Kleinsteuber, der beim SCM eine schlagkräftige Truppe von Kurz- und Langsprintern um sich schart, habe ihn überzeugt. "Meine und seine Vorstellungen, gerade was das Laufbild anbelangt, stimmen weitestgehend überein. Und mit ihm möchte ich auch in naher Zukunft das Projekt 400 Meter angehen. Hier sehe ich für mich das größte Entwicklungspotential. Dass der Verein mich als Vertragssportler unterstützt, rundet das Gesamtpaket natürlich perfekt ab."

2015 betrachtet Hellbig dennoch als ein Übergangsjahr. Er will nicht "überpacen". Soll heißen, beim Studium an der Otto-von Guericke-Universität kann er bei Bedarf eine Studienzeitstreckung in Anspruch nehmen. Und auch sportlich liegt der Fokus zunächst weiter auf den 200 Metern, die der Viertelmeiler in spe als Basis erst noch weiter ausbauen will. "Ich muss mich erst einmal an alles gewöhnen und vor allem verletzungsfrei bleiben. Um bei der U-23-EM dabei zu sein, müsste ich sicher unter 21 Sekunden laufen. Und mit einem perfekten Rennen wäre das sicher machbar, aber das ist mir bisher noch nicht gelungen."

Neues Jahr, neuer Verein, neues Glück - darauf hofft auch Frank Schauer. Allerdings verlässt das SCM-Eigengewächs den Club nach zehn Jahren. Die Entscheidung fiel nach einem eher durchwachsenen Jahr - mit viel Schatten zu Beginn (Ermüdungsbruch), einem Zwischentief im Herbst (Ausstieg beim Frankfurt-Marathon) und einem versöhnlichen Abschluss beim Marathon in Florenz (2:23 Stunden /Rang 14, viertbester Europäer).

"Ich bin maßlos enttäuscht."

Marathon-Ass Frank Schauer

Schauer, der seit 1. Januar zum sportliche Aushängeschild des kleinen Laufvereins "Tangermünder Elbdeichmarathon" avanciert, begründet seinen Weggang vom SCM mit "fehlender Unterstützung", "geringer Wertschätzung der sportlichen Leistungen", aber vor allem mit "unüberbrückbaren Differenzen mit der Vereinsführung". Diese hatten sich an Geldern entzündet, die Sponsoren (Avacon und Elektro-Schubert Tangermünde) dem Läufer in Aussicht gestellt hatten und von denen der gebürtige Kalbenser anteilig etwas an die Marketingabteilung des Vereins abführen sollte.

Schauer dazu: "Ich habe das nicht eingesehen, denn ich bin all die Jahre nur ein normales, zahlendes Mitglied gewesen. Was das Laufen betrifft, war ich nie Vertragssportler, sondern habe vor allem meinen Eltern auf der Tasche gelegen", so der 25-jährige Maschinenbau-Student, der "bis auf ein Paar Laufschuhe und einen Zuschuss von 200 Euro für ein Trainingslager Null-Unterstützung vom Verein bekommen" habe. Auch die zuletzt anfallenden Kosten für den Start in Florenz (750 Euro) habe er "wie so oft allein getragen".

Selbst nach dem überraschenden Meistertitel 2013 habe sich niemand beim Verein gerührt, um ihn perspektivisch zu fördern. "Und dann melden sich aufgrund von einigen Zeitungsartikeln bei mir regionale Unternehmen, die mich unterstützen wollen, ich zeige das auch noch ordnungsgemäß beim Verein an - und auf einmal heißt es: 15 Prozent davon sind an die Marketing-abteilung abzuführen! Begründung: Verwaltungsaufwand, Sponsorenpflege und Solidarprinzip. Die ganze Art und Weise hat mich maßlos enttäuscht."

In einem Vier-Augen-Gespräch mit SCM-Präsident Dirk Roswandowicz konnte kein gemeinsamer Nenner gefunden werden. "Wir bedauern, dass Frank nicht mehr für uns starten will. Wir hätten ihn gerne als Aushängeschild des SCM im Lauf-Bereich behalten", erklärte Roswandowicz und erläutert seine Sichtweise: "Wir haben als Verein Vermarktungs- und Marketingrichtlinien, und die gelten nun mal für alle unsere Sportler. Wenn sich Frank Schauer diesen nicht unterordnen will und zudem das Solidarprinzip nicht versteht, dann trennen sich an dieser Stelle die Wege."

In Tangermünde soll nun zusammenwachsen, was zusammengehört: Ein ambitionierter Läufer aus der Altmark und ein Laufverein aus der Altmark. Und Frank Schauer? Der schaut nur noch nach vorn, schließlich habe er das beste Marathon-Alter noch vor sich: "Ich studiere und trainiere weiter in Magdeburg und Jürgen Eberding bleibt weiter mein Trainer, wir sind ein eingespieltes Team."

Geplant sind für 2015 zwei bis drei Marathon, der erste im Frühjahr in Hamburg oder Düsseldorf. Wenn sein Name und der seines neuen Vereins dann weit oben in der Ergebnisliste auftaucht "mit einer Zeit so um die 2:18, das wäre ein super Einstand und ich hätte alles richtig gemacht", glaubt Schauer. Fernziel ist und bleibt die Heim-EM 2018 in Berlin. "Da in der Mannschaft zu stehen, wäre der absolute Traum."

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