Magdeburg l Robert Wendt hat gegen die Hertener Löwen alles nachgeholt, was er in den 15 Spielen zuvor verpasst hatte. Innerhalb von drei Sekunden in der Schlussphase der Partie gewann er seinen ersten Rebound und versenkte seinen ersten Freiwurf in der 2. Bundesliga Pro B. Das reichte am Donnerstagabend beim 90:74 (22:26, 13:8, 21:24, 34:16)-Sieg der Baskets zu seinem persönlichen Glück, vom Sprecher in der Gieseler-Halle, Thomas Bombach, übers Mikrofon genannt zu werden.

Wendt ist 19 Jahre, die Saison ist ein reiner Lernprozess für ihn. In fast allen 16 Punktspielen war er dabei, stand aber erst 4:19 Minuten auf dem Feld. Wenn Wendt also einen Rebound gewinnen und einen Freiwurf versenken darf, ist das ein Zeichen des Vertrauens seines Trainers in ihn und ins Team zugleich: Dimitris Polychroniadis hat gewusst, dass gegen Herten nichts mehr passieren kann - zumindest nicht in der Schlussphase.

Es ist zu vermuten, dass sich Polychroniadis oft über Aussagen seiner Spieler geärgert hat in der Vergangenheit, wonach die Otto Baskets die beste Mannschaft der Liga seien. "Ich habe jedem gesagt, dass er von Spiel zu Spiel besser werden muss, nur dann können wir in der Tabelle weiter nach oben klettern", berichtete er. Eine Neuverpflichtung für die Baskets ist jedenfalls nicht im Anflug, zumindest fand der Verein niemanden entsprechend seiner finanziellen Möglichkeiten. Heute läuft die Wechselfrist aus.

Dafür meldete Eddie Johnson seine Bereitschaft zur Rückkehr an: Johnson hatte sich Ende Oktober einen Mittelfußbruch zugezogen, zum gleichen Zeitpunkt bereiteten ihm Probleme seiner Familie in den USA Sorgen. Der BBC hatte den 23-Jährigen deshalb unbezahlt beurlaubt, aber nicht den Vertrag aufgelöst. Johnson trainiere seit vier Wochen wieder regelmäßig, berichtete BBC-Geschäftsführer Toni Kohlmeyer, ob es aber für die Pro B reicht, muss letztlich Coach Polychroniadis entscheiden.

Mit oder ohne Johnson: Die Mannschaft kann trotzdem eine der allerbesten in der Liga sein, wenn sie ihre Schwächen abstellt, und davon gab es noch einige zu viel gegen die Löwen - bis ins letzte Viertel hinein. "Es sind Fehler passiert, die nicht passieren dürfen", schimpfte Polychroniadis über erneut 15 Turnovers. "Es sind Leger vergeben worden, die sicher vollendet werden müssen", monierte er die Zweier-Quote von nur 48 Prozent in der ersten Halbzeit. "Die Spieler haben nicht alles investiert, es hat Energie gefehlt."

Deshalb ließ Polychroniadis nach seiner ersten Auszeit (5.) rotieren, wechselte aus und ein und wieder zurück. Zudem hatte Herten "zu viele Dreier getroffen, was nicht normal ist für diese Mannschaft". Acht aus zwölf Distanzwürfen fanden den Weg in den Korb, ehe Chris Frazier erstmals einen Dreier versenkte, zum 30:32 in der 15. Minute. Der 24-Jährige kam in dieser Statistik letztlich auf eine Quote von fünf aus 16 Versuchen.

Entschieden wurde die Partie, weil Steven Monse, von dem lange nichts zu sehen war, plötzlich alle Freiheiten nutzte im letzten Abschnitt. "Er sollte selbst entscheiden, ob er den Nebenmann anspielt oder den Angriff selbst zu Ende bringt", sagte Polychroniadis. Vom 60:62 zum 68:62 leitete Monse (34.) die Wende ein. Der 24-Jährige war letztlich mit 21 Punkten und nach André Gillette (26) zweitbester Werfer der Magdeburger. Nach dieser Wendung herrschte fröhliche Korbjagd von allen "Ottos" bis zur Schlusssirene.

Mit diesem Sieg rutschten die Magdeburger auf Play-off-Platz sechs vor. Erst am 18. Januar treten sie zum nächsten Duell, diesmal gegen die Eagles aus Itzehoe, an (16 Uhr, Gieselerhalle).

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