Bei der Handball-WM in Katar steckt gleich zum Auftakt in der Vorrundengruppe D am Freitag viel Zunder drin: Deutschland muss gegen Polen ran. Deren Nationaltrainer ist Michael Biegler. Mit dem ehemaligen Coach des SCM sprach Volksstimme-Redakteurin Janette Beck.

Wie lief die Vorbereitung?
Michael Biegler: Wir haben versucht, ein ordentliches Paket zusammenzustellen - basierend auf dem Input der Vorbereitung auf die EM vor einem Jahr in Dänemark. Die war überragend und vieles hatte bereits voll angeschlagen. Ein Fingerzeig, dass wir auf einem guten Weg sind, waren auch die WM-Playoffspiele gegen Deutschland. Also haben wir beim Rahmenkonzept fast alles so beibehalten. Die letzten Wochen haben die Jungs sehr hart gearbeitet. Dass der eine oder andere noch angeschlagen war und ab und zu improvisiert werden musste, das ist normal. Ich denke, insgesamt sind wir einen guten Schritt vorangekommen, deswegen bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung.

Auch mit der Umsetzung? Die letzten Tests in Spanien waren eher durchwachsen: Niederlagen gegen Norwegen und Spanien, Sieg gegen Ungarn - da lief es vorher beim Christmas-Cup in Kattowitz besser?

Wissen Sie, solche Ergebnisse sind mir ziemlich schnuppe, denn sie sind selten richtig aussagekräftig. Man muss immer auch die Begleitumstände sehen, und die waren in Spanien eher suboptimal. Sicher war es schön und gut, dass wir daheim gerade mit Blick auf die Heim-EM in einem Jahr alle Spiele gewonnen haben. Aber die Gegner (Slowakei, Ungarn und Tschechien/ d. Red.) waren auch mehr oder weniger mit B-Teams am Start. Und in Spanien waren die Jungs nach dem harten Training noch müde auf den Beinen. Dass wir gegen Weltmeister Spanien nicht gewinnen werden, war klar, ich bin ja Realist. Da prallen natürlich zwei Welten aufeinander. Was mich wirklich gestört hat, war, dass wir bei den Testspielen oft schlecht gestartet sind. Was mich optimistisch stimmt, ist, dass wir 45 Minuten gegen Spanien gut mitgehalten haben.

Andreas Rojewski und Bartosz Jurecki sind die einzigen Legionäre im Team. Was macht sie für Sie unverzichtbar?

Beide gehören ohne Wenn und Aber zum 16-er Kader. Bartosz imponiert mir ungemein mit seiner Begeisterung für unser Projekt. Er wollte unbedingt die Spielpraxis nachholen, die er aufgrund der Nichtverlängerung seines Vertrages und den damit einhergehenden Umstrukturierungen beim SCM nicht mehr bekommen hat. Deswegen ist er zuletzt vorne und hinten viel marschiert und gut drauf. Bei "Roje" sind wir alle froh, dass er zu uns gestoßen ist, damit sind wir breiter aufgestellt. Er wurde mit offenen Armen empfangen. Ich habe selten einen Spieler erlebt, der so wie "Roje" engagiert und auf die anderen zugegangen ist mit der Frage: Wie kann ich euch helfen? Besser geht`s nicht. Natürlich kennt er noch nicht alle Abläufe, das braucht Zeit, und die stehen wir ihm auch zu.

Von der Papierform her ist Polen hinter Dänemark zweitbestes Team in der Gruppe C, der Einzug ins Achtelfinale scheint Pflicht. Mit welchen Zielen gehen Sie ins Turnier?

Das ist schwer zu beantworten. Grundsätzlich wollen wir das Bestmögliche erreichen und den nächsten Schritt in die richtige Richtung machen. Alle schauen auf die Qualifikation für Rio. Zwar haben wir bei der Heim-EM 2016 noch die Chance, alles klar zu machen. Aber da ist der Druck auch sehr groß. Deshalb würde ich nichts dagegen habe, wenn wir bei der WM am Ende unter den besten Acht sind und somit das Ticket für die Olympia-Qualifikationsrunde schon vorher in der Tasche hätten. Wichtig ist, dass wir gut ins Turnier starten und unsere Hausaufgaben machen. Und das ist bei unserer Vorrundengruppe durch die unglückliche Auslosung und das stark europäische Profil schwerer als genug.

Wie beurteilen Sie die Chance im Duell mit Deutschland? Das Team haben Sie in den Playoffs zwar bezwungen, allerdings hat es inzwischen ein ganz anderes Gesicht?

So anders ist die Startformation nun auch wieder nicht. Was sich vor allem geändert hat, sind die Strategie durch den neuen Trainer und der linke Rückraum. Aber egal, es wird auf jeden Fall ein offenes und wie immer enges Kampfspiel. Grundsätzlich ist die erste Partie immer wichtig, für jeden geht es darum, nicht gleich in Schieflage zu kommen.

Noch eine Frage, die bereits über die WM hinausgeht. Sie werden als Trainer in Hamburg gehandelt, wird man Sie also schon bald wieder in der Bundesliga sehen?

Jetzt darüber zu sprechen, wäre mehr als unprofessionell. Mein Fokus ist komplett auf Doha, die WM und mein Team gerichtet. Der einzige Ort in Deutschland, an den ich darüber hinaus denke, ist Großwallstadt, denn da warten meine Freundin und meine Tochter darauf, dass ich gesund und munter heimkehre.