Magdeburg/Dessau l Das Bild, das sich den über 1500 Zuschauern am Sonntagabend in der Dessauer Anhalt-Arena bei der Siegerehrung bot, war eine echte Überraschung: Als Sieger des Handballturniers wurde Zweitligist DHfK Leipzig geehrt. Erst danach kam der fast in Bestbesetzung angereiste Erstligist TuS N-Lübbecke, auf Platz fünf folgte der ohne acht Nationalspieler aufgelaufene SC Magdeburg.

Selbst Leipzigs Trainer Christian Prokop (36) hatte das so nicht erwartet: "Die Reihenfolge überrascht mich selbst ein wenig." Zumal die Sachsen erst seit Mittwoch wieder im Training stehen und einige angeschlagene Spieler wie der Ex-Magdeburger Philipp Weber (22) geschont wurden. "Dass wir dennoch so geschlossen aufgetreten sind und sich jene Spieler hervortun konnten, die in der Hinserie weniger gespielt haben, freut mich besonders", so Prokop.

Die Leipziger, die den zum besten Torhüter des Turniers gekürten Felix Storbeck (22) in ihren Reihen hatten, standen völlig verdient auf dem obersten Treppchen. In allen Spielen (19:18 gegen die Füchse Berlin, 14:10 gegen Dessau-Roßlau, 14:11 im Finale gegen N-Lübbecke) waren die "jungen Wilden" sehr engagiert aufgetreten und hatten herzerfrischend frechen Handball geboten.

Vor allem der Auftritt im Finale gegen Lübbecke war überzeugend, denn mit dem Ex-Magdeburger Storbeck als Wegbereiter wurde ein 1:6-Rückstand gedreht. Verständlich, dass der Jubel etwas größer ausfiel. Prokop sah das allerdings kritisch: "Dass wir jetzt hochgejubelt werden, ist mir gar nicht recht. Denn so schön wie dieser Sieg für das Selbstvertrauen ist, der Erfolg darf nicht überbewertet werden. Schließlich haben beim SCM oder bei den Füchsen Berlin viele Spieler gefehlt, die bei der WM im Einsatz sind", gab der Coach, der zwei Jahre die SCM-Youngsters trainiert hat (2009-2011), zu bedenken.

Dass sich Leipzig (Durchschnittsalter: 22) zum Tabellenführer der 2. Liga aufgeschwungen hat und vom Aufstieg träumen darf (Prokop: "Es wäre super für den Handball im Osten, wenn wir das packen würden. SCM gegen Leipzig hört sich immer besser an als SCM gegen Bietigheim."), ist auch in seinen Augen ein Verdienst der ehemaligen Magdeburger: "Felix ist ein Typ, seine Leistungen sind mit ein Grund für unseren Aufschwung." Und Weber sei nicht nur als Goalgetter unverzichtbar. "Er hat sich auch als Persönlichkeit sehr gut entwickelt und ist inzwischen ein Führungsspieler."

Mit Maximilian Janke (21), der in Dessau viele Spielanteile hatte, ist in der Winterpause der dritte SCM-Akteur dazugestoßen. Prokop: "Ich schätze die gute Ausbildung in Magdeburg und mag die moderne Spielweise. Wichtig ist, dass Max sofort helfen kann. Ich bin froh und dankbar, dass man ihm von SCM-Seite aus keine Steine in den Weg gelegt hat. Er wird sicher seinen Weg bei uns gehen."