Magdeburg l Die Fernsehbilder des MDR (ungeschnitten veröffentlicht auf dessen Homepage) bringen es zweifelsfrei an den Tag: Bei der Auslosung des Halbfinales im Fußball-Landespokal am Freitagabend war eine der vier Los-Dosen markiert. Klaus Scharrenberg, Geschäftsführer der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, hatte sofort das markierte Los gegriffen und den MSV 90 Preussen gezogen. Zugelost hatte er dann den Sieger der Viertelfinalpartie FSV Barleben/HFC. Damit war auch klar, der FCM muss bei Oberligist VfL Halle antreten.

Keine der drei handelnden Personen auf der Bühne während des Neujahrsempfanges des Fußball-Verbandes Sachsen-Anhalt, oben genannter Klaus Scharrenberg, FSA-Spielausschuss-Vorsitzender Klaus-Peter Fischer, noch Pressesprecher und Moderator Volkmar Laube, will die Panne bemerkt haben. Fischer hatte die vier Los-Dosen zuvor aus einem verschlossenen Kuvert in die völlig transparente Lostrommel geschüttet.

Im FCM-Fanforum und auf verschiedenen Internet-Plattformen wird unterdessen über eine Manipulation der Halbfinal-Auslosung debattiert. Die Konsequenz: Der FSA rang sich gestern schweren Herzens dazu durch, die Auslosung der Pokal-Vorschlussrunde vom vergangenen Freitag zu annullieren. In der MDR-Sendung "Sachsen-Anhalt heute" am 23. Januar ab 19 Uhr soll die Neu-Auslosung live über den Bildschirm gehen.

FSA-Präsident Erwin Bugar stellte sich gestern vor seine Pleiten-Produzenten: "Wir bedauern diesen Vorfall sehr, können aber versichern, dass die an der Auslosung beteiligten Personen über jeden Verdacht erhaben sind. Manipulationsvorwürfe weisen wir entschieden zurück." Das Gleiche sagte auch ein sichtlich zerknirschter Scharrenberg: "Ich weise jeden Manipulationsvorwurf klar zurück. So etwas darf nicht passieren."

Wer ist verantwortlich?

Markus Scheibel (Calbe/Saale), der als Verantwortlicher für den FSA-Pokal auch für die Vorbereitung der Auslosung den Hut aufhatte, antwortete gestern auf Volksstimme-Nachfrage: "Ich weiß von nichts." Fakt ist jedoch: Die Filmbüchsen wurden in der FSA-Geschäftsstelle präpariert.

Bugar bezeichnete die peinliche Panne als einen "menschlichen Fehler". Personelle Konsequenzen schloss der Chef der rund 90 000 sachsen-anhaltischen Kicker jedoch aus. Bugar weiter: "Ich mache keine Schuldzuweisungen. Wir werden aufklären, wie es zu dieser Panne kommen konnte und daran arbeiten, dass so etwas oder Ähnliches nicht noch einmal passiert."

FCM-Sportchef Mario Kallnik zeigte sich gestern ritterlich: "Wir haben uns das Video angeschaut. Eine Dose war markiert. Ich unterstelle aber niemandem böse Absicht. Wir werden keinen Einspruch einlegen und nehmen die neue Auslosung wie sie kommt." Ähnlich hätten sich nach Bugars Aussagen alle anderen Halbfinalisten geäußert.

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