Magdeburg/Doha l Ein Magdeburger Handballer als Standbild in der Tagesschau für die Spitzenmeldung im Sport - wann hat es das schon einmal gegeben? Am Samstagabend, um 20 Uhr im Ersten, sorgte Matthias Musche für dieses historische Zeitdokument. Aus guten Grund: Der 22-Jährige war rund 90 Minuten zuvor bei der WM zum "Man of the Match" gekürt worden. Mit dieser Auszeichnung - verknüpft mit einer Uhr von WM-Sponsor Adidas - wurde der SCM-Linksaußen für seine herausragende Leistung im letzten Gruppenspiel der Deutschen gegen Saudi-Arabien gewürdigt. Elf Tore hatte der Blondschopf zum 36:19-Sieg beigesteuert. Das waren genau so viele wie beim ebenso erstmals über die volle Spielzeit agierenden Rechtsaußen Johannes Sellin. Aber Musche hatte bei seinem allerersten WM-Einsatz mit elf Treffern aus zwölf Versuchen eine noch bessere Quote als der Melsunger (11/14) vorzuweisen.

Im Moment des Erfolges blieb "Matze", der seine Ersatzrolle und das lange Warten bis dato mit Anstand und Geduld ertragen hatte ("Wer wie ich den weltbesten Linksaußen vor sich hat, dem ist schon klar, dass das so kommen kann. Ich habe trotzdem versucht, der Mannschaft zu helfen und für gute Stimmung zu sorgen.") bescheiden. Der Hype war ihm peinlich: "Das geht mir alles fast ein bis-schen zu schnell. Aber natürlich freue ich mich über die besondere Auszeichnung. Es ist und bleibt eine große Ehre für mich, für Deutschland zu spielen. Und ich hoffe, dass es für uns bei der WM so wie bisher weitergeht."

Dass ihm anfangs "die Muffe ging", war nicht zu übersehen. "Sonst mache ich mir ja nicht so `ne Platte, aber diesmal war ich aufgeregt und habe ständig auf die Uhr geguckt und gewartet, dass es endlich losgeht." Doch in der zweiten Halbzeit wurde Musche vor allem von Spielmacher Michael Kraus perfekt in Szene gesetzt. Und mit jedem Treffer wuchs beim "jungen Wilden" das Selbstbewusstsein. Zum Schluss traf Musche selbst aus unmöglichsten Winkeln. Das beeindruckte auch Sky-Experte Frank von Behren: "Es freut mich, wie der Junge nach anfänglichen Problemen sein Herz in beide Hände genommen hat. Die letzten Würfe hatten ein bisschen was von Gensheimer."