Stell dir vor, es ist Handball-WM, aber keiner geht hin! So ließe sich in Abwandlung eines alten Kriegsgegner-Slogans die Situation im fernen Katar beschreiben.

Augenzeugen zufolge soll sich die Anzahl der in weißer Landestracht gekleideten Einheimischen in der 15000-Zuschauer-Arena bei den Spielen zumeist zwischen 50 und 100 bewegen. Da kommt kaum Stimmung auf.

Dabei sind sie echt bemüht, die Kataristen: Neulich hat der Hallensprecher die 500 Dänen und 30 Argentinier immerzu lautstark aufgefordert, eine Laola-Welle zu starten. Doch der Funke wollte einfach nicht überspringen. In der Regel sorgen ja herangekarrte Gastarbeiter aus Indien und Nepal für Stimmung. Und als nach dem Spiel Dänemark gegen Russland überraschend US-Star Pharrell Williams ("Happy") ein Konzert gab, durften auch viele Helfer und Sicherheitskräfte "happy" sein, damit es voll wird. Am Preis liegt es übrigens nicht: Für umgerechnet sechs bis 20 Euro bekommt der Fan zwei Spiele und ein Pop-Konzert. Da kann man nicht meckern.

Vielleicht steckt hinter dem Wüsten-Handball ja eine kluge Initiative? Import von unbekannten Sportarten zur Völkerverständigung. Bestimmt gibt es bei uns bald Kamel-Polo in der Getec-Arena und Falken-Jagd übern Bördeacker. Da gehe ich hin!