Magdeburg l Geir Sveinsson hat dem Spektakel am Freitagabend nicht allzu große Aufmerksamkeit gewidmet, er war weder persönlich in Nürnberg, noch hatte er es sich auf dem Sofa zu Hause dauergemütlich gemacht, wie er der Volksstimme am Sonntag berichtete: "Vielleicht 10, 15 Minuten" verfolgte er das Allstar-Game zwischen der deutschen Nationalmannschaft und internationalen Bundesliga-Größen am TV-Bildschirm.

Neun Tage vor dem Start 2015 in der "stärksten Liga der Welt" beschäftigte sich der Coach des SC Magdeburg eher mit dem nächsten Gegner seines Teams: Am Sonntag, 15. Februar, kommt nämlich der VfL Gummersbach in die Getec-Arena. Anwurf ist um 17.15 Uhr.

Majestätsbeleidigung gegen Füchse-Torwart

Bei seinem kurzen Blick auf die Ereignisse beim 38:35 (17:20)-Erfolg der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) wird Sveinsson gesehen haben, was durchgehend Programm war: eine große Show, in der drei seiner Schützlinge mitwirkten. Bartosz Jurecki und Robert Weber (ein Tor) im Allstar-Team, Matthias Musche im DHB-Team, das für Platz sieben bei der Weltmeisterschaft in Katar gefeiert wurde.

Vielleicht wird er auch eine Zwei-Minuten-Strafe gegen eine Plastikpalme beim 32:30 (56.) belächelt haben oder die Rote Karte für Nationalkeeper Silvio Heinevetter, nachdem dieser kurzfristig die Aufgabe von Schiri Marcus Helbig (Landsberg) aus dem Gespann mit Lars Geipel (Leipzig) übernommen und den Referee dafür zum Siebenmeter ins Tor geschickt hatte. Solch eine "Majestätsbeleidigung" gegen den Torwart der Füchse Berlin kann ihm auch nur in solch einem Spiel gefallen.

Die 7622 Zuschauer in der ausverkauften Arena jubelten jedenfalls mit. Beste Werfer für das Allstar-Team waren René Toft Hansen (Kiel) und Marcel Schiller (Göppingen) mit jeweils fünf Toren, für Deutschland trafen Jannik Kohlbacher, der zur neuen Saison vom TV Großwallstadt zur HSG Wetzlar wechselt, und Johannes Sellin (Melsungen) jeweils sechsmal.

Streit um Alleingang in Trainerfrage

Aber ebenso sehr wie die Zuschauer diese Show genossen haben, wurde auch das Ergebnis der DHB-Sitzung am Abend erwartet. Immerhin hatte DHB-Chef Bernhard Bauer in der vergangenen Woche seinen Vize Bob Hanning öffentlich für dessen Egoismus kritisiert. Der Grund: Hanning hatte in der Personalfrage zum neuen Bundestrainer der Frauen einen Alleingang unternommen und den ehemaligen Nationalspieler Stefan Kretzschmar den Job angeboten. Ergebnis der Sitzung: Bauer und Hanning schlossen den "Nürnberger Frieden".

"Wir haben uns offen und ehrlich ausgetauscht und sind überzeugt, dass wir den DHB und den Handball gemeinsam weiter voranbringen werden. Das Präsidium wird auch weiterhin konstruktiv für die Entwicklung des Handballs zusammenarbeiten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Beteiligten.

Uwe Schwenker, als Präsident der Handball-Bundesliga Mitglied des DHB-Präsidiums, sagte zum "Nürnberger Frieden" bei Sport1: "Bernhard Bauer und Bob Hanning sind die wichtigsten Funktionäre des deutschen Handballs. Für unsere gemeinsame Sache ist es bedeutend, dass beide an Bord bleiben."

Kader des SC Magdeburg ist fit

Die WM ist vorbei, das Allstar-Game ist Geschichte, der Verbandsfrieden hergestellt: Jetzt kann die Bundesliga kommen. Für zwei Mannschaften hat sie allerdings bereits gestern begonnen: In der vorgezogenen Partie des 24. Spieltages gewann der HC Erlangen gegen HBW Balingen-Weilstetten mit 28:27 (16:14).

Der SC Magdeburg hat indes noch sechs Tage für die Vorbereitung auf Gummersbach. Und Trainer Sveinsson kann nach Stand von Sonntag dafür auf einen gesunden Kader bauen. Ein Testspiel gegen die eigenen Youngsters hat er für Mittwochabend geplant. "Ich hoffe, dass es klappt", sagte Sveinsson und ergänzte: "Alle warten darauf, dass die Bundesliga wieder losgeht."