Stimmen zur Fußball-WM in Katar

Rainer Milkoreit (NOFV-Präsident): "Ein Termin im November/Dezember ist auf jeden Fall die vernünftigere Lösung und sorgt nicht zuletzt dafür, Olympischen Spielen aus dem Weg zu gehen. Ob es die Lösung schlechthin ist, sei dahingestellt. Wir müssen einfach damit leben. Ich bin nach dem ganzen Hin und Her aber noch nicht überzeugt davon, dass es wirklich bei diesem Termin bleibt. "

Erwin Bugar (Präsident des Fußball-Verbandes Sachsen-Anhalt): "Gerade für uns Europäer ist das Klima Ende des Jahres erträglicher und daher eine Verlegung sinnvoll. Allerdings stehe ich nach wie vor auf dem Standpunkt, dass eine WM nicht nach Katar gehört. Es fehlten der Bezug und die Nachhaltigkeit. Ein Turnier in Südafrika habe ich ja noch verstanden, aber nicht Katar. Für den FSA selbst hat der Termin keine große Bedeutung, weil wir nicht betroffen sind.

Ralph Kühne (Manager des Halleschen FC): "Ich würde eine Verlegung in den Winter hinein begrüßen. Klimatisierte Stadien schön und gut, aber man sollte auch an die Bedingungen insgesamt denken. Über 40 Grad Außentemperatur sind schon heftig. Jeder, der in Dubai oder Abu Dhabi schon einmal Urlaub gemacht hat, weiß, wovon ich rede. Was den HFC angeht, denke ich, dass wir nicht groß betroffen sind, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass 2022 ein Nationalspieler in unseren Reihen steht."

Mario Kallnik FCM-Sportchef): "Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, weil ich mich mit der Thematik zu wenig beschäftigt habe."

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Doha (dpa) l Ein WM-Finale kurz vor Heiligabend, Public Viewing zwischen Glühweinbuden und Weihnachtsbäumen - der Kompromiss über die Verlegung der Katar-WM 2022 in den Winter hat im Fußball keine Jubelstürme ausgelöst. Dabei war der von der Fifa-Task-Force vorgeschlagene und aus Sicht des Weltverbandes "tragfähigste" WM-Termin von Ende November bis Ende Dezember noch das kleinste Übel.

Die großen Verlierer sind die europäischen Clubs und Ligen, schließlich wird der Spielbetrieb mehr als zweieinhalb Monate ruhen müssen. Andreas Rettig forderte als Geschäftsführer der DFL von der Fifa konkrete Lösungsvorschläge, Karl-Heinz Rummenigge mahnte als Chef der Europäischen Club-Vereinigung ECA Kompensationszahlungen an.

Im Gespräch ist eine kürzere Austragung vom 26. November bis 23. Dezember, was ein Zugeständnis an die Ligen wäre. Der genaue Termin soll bis zur Entscheidung der Fifa-Exekutive am 19./20. März gefunden werden. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl befürchtet, dass "der Termin mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Spielzeiten massiv beeinflussen wird".

Fifa ist der größte WM-Verlierer

Eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung war jedoch unmöglich. Eine Austragung in den Sommermonaten ist aufgrund der Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht praktikabel. Auch wenn die WM-Organisatoren die Temperaturen bei einer Sommer-WM in den Stadien herunterkühlen wollten, wäre die Belastung für Spieler und Fans außerhalb der Arenen groß gewesen.

Zuletzt waren auch der Januar/Februar 2022 im Gespräch, allerdings würde dieser Termin mit Olympia kollidieren. Die Winterspiele sollen vom 4. bis 20. Februar 2022 in Almaty oder Peking stattfinden. Eine Verlegung ins Jahr 2023 sei aus "rechtlichen Gründen" ausgeschlossen, bekräftigte die Fifa.

Besonders groß ist der Aufschrei in England, schließlich gehört die Zeit um Weihnachten herum mit dem Boxing Day zu den umsatzkräftigsten Terminen der Liga.

Als Verlierer bleibt auch die Fifa zurück, wenngleich Sepp Blatter den November-Termin gerne als seine Idee verkauft. Denn seit der WM-Vergabe im Dezember 2010 hat sich die Katar-WM zu einem einzigen Ärgernis entwickelt. Die schwierige Terminfindung wurde von schweren Korruptionsvorwürfen und dem Skandal um viele Todesopfer auf den Baustellen des Landes begleitet.

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