Magdeburg/Winterberg l Ein Treffen mit Marko Hübenbecker, egal wann, egal wo, wird immer von diesem Gedanken eröffnet: Huch, die Bären sind los. Trotz seiner permanent gemütlichen Ausstrahlung zuckt man zuweilen ein bisschen zusammen, wenn der bärenstarke, 1,98 Meter große und 109 Kilogramm schwere Hübenbecker einen Schritt näher tritt oder jubelt oder auch nur lacht.

Die Beweglichkeit des Anschiebers vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC), ehemaligen Kugelstoßers und Diskuswerfers, ist erst auf dem zweiten Blick zu erkennen. Jedenfalls eine Beweglichkeit in der Art, wie sie Bob-Pilot Nico Walther erkannt hat: "Er sitzt gut im Schlitten, er kann sich immer ein bisschen kleiner machen, genau das macht mich im Eiskanal schnell."

Hübenbecker und Walther mit Meisterschaftschancen

Und schnell wollen beide an diesem Freitag und Sonntag im kleinen Schlitten (2,70 Meter lang, 67 Zentimeter hoch) sein, wenn sie bei der Weltmeisterschaft in Winterberg in insgesamt vier Wertungsläufen um etwas fahren, was der mit 1,88 Metern und 97 Kilogramm etwas weniger hünenhafte, aber ebenso bärenstarke Walther zunächst vorsichtig definiert: "Wir wollen ein Wörtchen mitreden." Wie das geht, wissen die beiden längst.

Sie gehörten nämlich bei den deutschen Meisterschaften im vergangenen Dezember als Sieger und beim Weltcup im Januar in Königssee als Zweiter zu den Hauptrednern der jeweiligen Veranstaltung. "Da haben wir gezeigt, dass wir auch international mithalten können", meinte der 28-jährige Hübenbecker, der zuletzt beim Weltcup in Sotschi (Russland) noch pausieren durfte. Er hat zu Hause mit seiner Aileen und ihrem gemeinsamen Söhnchen Marvin viel Zeit verbracht und "Wintersport mal im Fernsehen geschaut, das war eine völlig neue Erfahrung", meinte er. Vor allem aber hat Hübenbecker "ordentlich trainiert, um für die WM noch spritziger zu werden".

Konfrontiert man nun den MSC-Trainer Norman Dannhauer mit der Frage nach der Beweglichkeit seines Anschiebers, kann man sogar durchs Telefon sehen, wie er den pädagogischen Zeigefinger hebt. "Ja! Ein Anschieber muss nicht nur rennen können, er muss auch beweglich sein. Ein Mann von seiner Größe muss erst mal so tief im Schlitten abtauchen können. Das ist schon beachtlich, wie sich Marko so verkleinern kann", sagt Dannhauer. Trotzdem: Auch eine Bobfahrt beginnt nicht erst im Kanal, sondern am Start. Und da liegt die kleine Schwäche des Duos.

Walther braucht Kraft und Schnelligkeit

Nico Walther erklärt es zunächst in Zahlen: "Wenn wir auf den ersten 50 Metern in Winterberg 1,5 Zehntelsekunden langsamer sind als die Spitze, haben wir keine realistische Chance auf eine Medaille. Wenn wir aber unter einer Zehntelsekunde Rückstand bleiben, können wir vorne mitfahren." Um dieses Ziel zu erreichen, "müssen wir das leidige Problem am Start" minimieren, sagt der 24-Jährige also und ergänzt verlegen lächelnd: "Das Problem liegt wahrscheinlich bei mir."

Walther ist im vergangenen Jahr Junioren-Weltmeister im kleinen Schlitten geworden. Sein Anspruch war es deshalb, auch in seiner Premieren-Saison in der Elite im Zweier eine gute Rolle zu spielen. "Bislang haben wir mit einem zweiten und dritten (in Altenberg mit Anschieber Joshua Bluhm/d. Red.) Platz im Weltcup auch alle Erwartungen erfüllt." Dabei holt er sich in intensiven Trainingseinheiten vor allem die Grundlagen: Kraft und Schnelligkeit.

Hoffnung auf Spitzenplatzierung bei Bob-Weltmeisterschaft

Selbst wenn er davon nur berichtet, klingt seine Stimme etwas müde. Walther bewegt sich immer noch im ersten Teil eines Vier-Jahres-Planes mit dem Ziel Olympische Spiele 2018. Zudem: "Für mich ist es noch schwierig, den richtigen Punkt zum Einstieg beim Start zu finden. Das haben mir die erfahrenen Piloten eben noch voraus."

Wenn der Mann an den Lenkseilen und sein Anschieber also am Freitag die ersten beiden Wertungsläufe bestreiten, lautet ihr Motto: Nichts muss, alles kann. Für Walther und für Hübenbecker ist gleichermaßen im Zweier wie im Vierer am Wochenende darauf mit Andreas Bredau (MSC) und Christian Poser (SC Potsdam) eines wichtig: "Wir wollen nicht der schlechteste deutsche Schlitten sein" - bei jeweils vier Mannschaften des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) in beiden Wettbewerben. Mit solch einem Ziel kann das Team durchaus weit vorne landen. Und danach gibt es Steak für die Bären.

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