Magdeburg/Sierra Nevada l Wenn Franziska Hentke zur Abenddämmerung auf die Welt schaut, vergisst sie jegliche Anstrengungen des Tages. Der Blick über die Sierra Nevada bietet ein Bergpanorama mit schneebedeckten Gipfeln in 3000 Metern Höhe, hinter denen die Sonne unter rotem Himmel zur Nacht abtaucht. Das ist Idylle, Romantik, Urlaub. Für einen Augenblick.

In allen anderen Augenblicken des Tages bereitet sich die 25-Jährige vom SC Magdeburg auf die deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin (9. bis 12. April) und die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Kazan (Russland/25. Juli bis 9. August) vor - wie auch Finnia Wunram, Johanna Friedrich, Daria Berestov, Rob Muffels, Florian Wellbrock und Marcus Herwig vom SCM. "Fast alle sind gesund, und alle sind kaputt", teilte deren Trainer Bernd Berkhahn aus Spanien mit, wo er also mit seinen Schützlingen das Höhentrainingslager abhält.

Gesund waren zuletzt nicht alle: nicht Hentke, auch nicht Muffels, der "von seiner Topform noch einiges entfernt ist", meinte Berkhahn. Muffels selbst hat "das normale Training wieder aufgenommen", erklärte der 20-Jährige. Das ist auch ohne Erkältung anstrengend genug, und mit Schnupfen, wie ihn Finnia Wunram gerade plagt, ist es noch etwas härter.

Zuletzt standen vor allem Kraft, Ausdauer und Technik im Vordergrund der Vorbereitung. Zirka vier Stunden im Wasser, zirka zwei Stunden an Land: täglich. In der freien Zeit wandern die Athleten über eine Treppe ins Dorf unterhalb des Trainingszentrums. 537 Stufen müssen sie dazu absolvieren, hat Hentke gezählt - einfache Strecke.

Ansonsten kann auch Berkhahn über die Leistungsfähigkeit seiner Athleten derzeit nicht viel sagen: "Das werden wir in einigen Wochen dann sehen", meinte er. Wenn nämlich um die Titel in Berlin geschwommen wird. Zumindest hat Hentke nach zwei Viruserkrankungen wieder ein gutes Gefühl gewonnen: "Ich merke, wie es von Tag zu Tag besser wird nach den verkorksten Wochen zum Jahresbeginn", teilte sie mit.

Trainieren müssen auch die Daheimgebliebenen des SCM, wenn sie gesund sind. Hendrik Rijkens war es zuletzt bei den Norddeutschen Meisterschaften "Lange Strecke" in der Elbehalle nicht. Er musste passen. Eric Reuß war mit Magen-Darm-Infekt angeschlagen, startete aber über drei Strecken. Er sicherte sich einen zweiten Platz über 800 (8:27,05 Minuten) und je einen Sieg über 1500 (16:03,87) und 5000 Meter Freistil (Bestzeit: 55:07,18). "Klar, war ich mit den Platzierungen zufrieden, aber mit den Zeiten auf den beiden kürzeren Distanzen nicht", sagte der 21-Jährige. Andererseits hat ihn das nach der gesundheitlichen Schwächung und den intensiven Trainingseinheiten auch nicht überrascht.

"Dagegen war ich baff über meine Leistung über 5000 Meter. Nun weiß ich, dass mir mit Blick auf die deutschen Meisterschaften die Ausdauer nicht fehlt. Aber in der Tempohärte habe ich noch Nachholbedarf, will ich im Konzert der Großen mitschwimmen", betonte Reuß. Bis dahin kommen noch einige Sonnenuntergänge.

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