Am Sonntag kehrt Andreas Petersen als Trainer der TSG Neustrelitz an seine alte Wirkungsstätte nach Halberstadt zurück. Zwischen 2007 und 2012 war der gebürtige Quedlinburger in mehr als 150 Spielen Cheftrainer bei Germania. Im Interview mit Volksstimme-Mitarbeiter Florian Bortfeldt gibt er Auskunft, ob die Freude überwiegt.

Volksstimme: Herr Petersen, wenige Tage vor dem Gastspiel in Halberstadt, mehren sich da schon die Telefonate und Anfragen ehemaliger Weggefährten?
Andreas Petersen:
Das hat schon eher angefangen, jetzt läuft es um so intensiver. Es wird ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

Überwiegt die Freude oder befürchten Sie auch den einen oder anderen Spruch? Den Abschied zum FCM hat ja 2012 nicht jeder nachvollziehen können.
Sicher war der eine oder andere traurig, aber ich habe jederzeit mit offenen Karten gespielt, bin kein Verräter oder Judas und kann allen ins Gesicht schauen. Es war damals ein wahnsinnig gutes Angebot, das war eine Ehre für mich. Inzwischen sind die Wogen geglättet, vor allem zu den Offiziellen wie Olaf Herbst, Christian Mokosch, Enrico Gerlach, Thomas Waldow und vielen anderen habe ich weiter einen guten Draht. Germania ist damals eine Art zweite Heimat für mich geworden. Diese Station hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Insgesamt gesehen, waren es fünf tolle Jahre und eine wunderbare Zeit, darum freue ich mich auf die Rückkehr und das Wiedersehen.

Bei den Spielern sind es inzwischen nicht mehr so viele, die Sie noch kennen, oder?
Philip Schubert gehört auf jeden Fall dazu. Mit Danilo Dersewski, Kevin Nennhuber, Telmo Teixeira, Christopher Reinhard und Florian Beil sind ehemalige Spieler aus Magdeburger Zeiten dort. Es ist quasi eine große Völkerfreundschaft.

Sie tragen seit Ende Oktober die Verantwortung bei der TSG Neustrelitz und sind seither ungeschlagen. Es scheint zu laufen?
Stimmt, ich habe die TSG auf einem Abstiegsplatz übernommen, inzwischen sind wir Tabellenzehnter und in den fünf Begegnungen noch ohne Niederlage. Das ist aber lediglich eine Momentaufnahme, wir ruhen uns nicht darauf aus, denn das Ziel heißt weiterhin Klassenerhalt.

Entsprechend sollen am Sonntag drei Punkte mit nach Neustrelitz?
Ja, wir wollen in Halberstadt etwas holen. Mehr Druck lastet dabei auf der Germania, denn nach dem 0:4 beim FCM müssen sie gewinnen. Wir nicht.

Am vergangenen Wochenende sind Sie mit der TSG nach dem 3:2-Sieg über Union Berlin II an der Germania vorbeigezogen. Mit einem Heimsieg kann Halberstadt jetzt wieder die Plätze tauschen. Wer hat in diesem Duell die Vorteile auf seiner Seite?
Wir gehen als Außenseiter in die Partie. Nach der enttäuschenden Leistung in Magdeburg müssen die Halberstädter siegen. Ich denke, dass schon ein Zähler zu wenig ist, denn ohne Sieg stecken sie in den nächsten Wochen erst einmal im Keller fest. Ich sage aber auch, es wird für uns sehr schwer, denn der VfB trägt Wut und Frust in sich.

Was denken Sie, wo landet Ihr Ex-Verein am Saisonende?
Die Ambitionen in Halberstadt waren mit dem Kader berechtigterweise vor Saisonstart ganz andere - mindestens einstelliger Tabellenplatz. Jetzt steht Germania im unteren Drittel der Liga und hat sich damit nie auseinandergesetzt. Das ist womöglich ein Problem. Gegen uns gibt es eine Art letzte Chance, bei einer Niederlage könnte es unruhig werden. Denn auch, wenn Halberstadt derzeit einige Zähler Vorsprung vor Viktoria Berlin hat, die Drei-Punkte-Regelung sollte man nicht unterschätzen. Am Sonntag bin ich Neustrelitzer, danach wieder Harzer, um Germania die Daumen zu drücken.

Egal, wie die Partie endet, setzt sich Trainer Petersen mit in den Mannschaftsbus Richtung Neustrelitz, oder bleiben Sie in der Heimat?
Ich genieße bereits einen kurzen Anfahrtsweg und komme direkt aus meinem Wohnort Silstedt, wo ich auch nach Spielschluss hinfahre.