Magdeburg/Winterberg l Andreas Bredau ist am Start nie zu sehen. Wenn die TV-Kamera in die Bob-Frontale schwenkt, läuft der 30-Jährige direkt hinter dem Piloten. Der Unsichtbare kämpft dann um die schnellste Zeit auf den ersten 50 Metern. Das wird am Wochenende in Winterberg, wenn die Weltmeisterschaft in ihre finale Runde geht, nicht anders sein. Bredau schiebt gemeinsam mit Marko Hübenbecker (MSC) und Christian Poser (SC Potsdam) in vier Wertungsläufen den großen Schlitten von Nico Walther (Riesa) an. Und Bredau ist sich sicher: "Wir kämpfen um eine Medaille."

Für den gebürtigen Burger ist es der erste Höhepunkt seit der WM 2013 in St. Moritz (Schweiz). Olympia in Sotschi (Russland) im vorigen Jahr hatte er verpasst - nach langem Kampf in der Reha und in der Trainingshalle. Bredau hatte aufgrund eines Mittelfußbruchs, zugezogen vor dem ersten Saisonstart in Calgary (Kanada), in jenem Winter keinen Wettkampf bestritten. Olympia schaute er eher widerwillig im Fernsehen. Nun aber ist er zurück. Und hat sich etwas verändert? "Eigentlich ist alles wie immer, ich hatte nur zu Saisonbeginn gemerkt, dass ich eben lange kein Bob gefahren bin", meinte Bredau.

In der vergangenen Woche durfte er sich noch ausruhen. "Ich habe die Zeit gebraucht, um mich zu erholen, aber auch um zu trainieren". Es war eine harte Saison, nach Bredaus Empfinden wohl härter als in den Jahren zuvor. Der ständige, aber erfolgreiche Vergleich mit Manuel Machata (Stuttgart) im Kampf um den Weltcup-Platz in zwei Selektionen, das enge Programm mit neun internationalen Rennen und den nationalen Titelkämpfen am letzten Dezembertag. Aber allein mit dem Sieg des Walther-Vierers im Januar in Altenberg hatte sich der Aufwand gelohnt. "Mit den fahrerischen Qualitäten Nicos brauchen wir uns nicht verstecken", so Bredau. "Man hat immer gesagt, Nico ist als Junioren-Weltmeister ein Zweier-Pilot. Inzwischen ist er ausgewiesener Vierer-Spezialist."

Walther hat auch alle Freiheiten. "Er kann sich allein aufs Fahren konzentrieren", erklärte Bredau. "Wir nehmen ihm alles ab, was mit Organisation und Material zu tun hat." Der 24-Jährige soll sich in Ruhe weiterentwickeln, gerade mit Blick auf Olympia 2018: Das ist das große Ziel der vier Hünen.

Bis dahin ist es vor allem für ihren Piloten, der seine Premierensaison in der Elite fährt, ein weiter Weg. Die drei Anschieber sind dagegen schon lange aufeinander eingespielt. Sie gewannen 2012 in Lake Placid (USA), ebenfalls mit Machata, WM-Bronze. "Wir müssen nichts mehr abstimmen", sagte Bredau. Bis auf eine Ausnahme: Nach dem Abschied vom alten Schlitten namens "Helene" sucht das Team nun einen Namen für sein neues Modell 4/08. Die Tauffahrt wurde für den finalen WM-Sonntag um 17 Uhr angesetzt.