Frankfurt/Main (dpa) | Abstiegskampf statt Aufbruchstimmung: Auch unter dem neuen Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann verkörpert das deutsche Herren-Tennis lediglich Mittelmaß. Gegen den Vorjahresfinalisten Frankreich stand das deutsche Team in Frankfurt am Main bereits nach dem Doppel als Verlierer fest. Vom 18. bis 20. September geht es nun in der Relegation um den Verbleib in der Weltgruppe der 16 besten Teams. Der Gegner wird bei der Auslosung am 21. Juli ermittelt.

Immerhin schaffte es die deutsche Mannschaft, nach dem Eklat an gleicher Stelle vor einem Jahr einige Sympathien bei den damals extrem verärgerten Fans zurückzugewinnen. So trat Philipp Kohlschreiber anders als 2014 am Sonntag zum bedeutungslosen Einzel an und holte beim 7:6 (7:5), 6:4 gegen die französische Nummer eins Gilles Simon den ersten Punkt für die Gastgeber.

Nur fünf deutsche Profis in den Top 100

"Ich wollte das Spiel unbedingt gewinnen", sagte der Augsburger. Vor einem Jahr hatte er sich gegen Spanien bei einer 3:0-Führung wie Tommy Haas und Florian Mayer noch geweigert, zu spielen.

Doch auch wenn das Auftreten der DTB-Auswahl dieses Mal tadellos war, bleiben die altbekannten Probleme bestehen. Auf wen auch immer die deutsche Mannschaft im Herbst trifft, es wird kein Selbstläufer. Zwar hat der Verband durch die Trennung von Carsten Arriens auf der Trainerbank einen Wechsel vorgenommen, doch die Qualität der Spieler wird nicht automatisch besser.

Gerade einmal fünf Profis rangieren derzeit noch in den Top 100 der Welt. Erstrundengegner Frankreich hat dort nur zwei Akteure mehr - diese stehen aber alle unter den besten 40. Die Deutschen verfügen in Philipp Kohlschreiber (28.) im Moment nur über einen Spieler, der etwas gehobeneren Ansprüchen genügt. Weil er noch gesundheitlich angeschlagen war, verzichtete er am Samstag aber auf das Doppel.

Hoffnungsschimmer bei Struff

Die Not-Paarung Benjamin Becker und Andre Begemann stand gegen das französische Spitzen-Duo Julien Benneteau und Nicolas Mahut beim 4:6, 3:6, 2:6 völlig auf verlorenem Posten. Während die französischen Fans nach dem frühzeitig gesicherten Viertelfinal-Einzug die Marseillaise anstimmten, schlichen die deutschen Profis aus der Halle. "Es hat sich nicht gut angefühlt", gestand Begemann.

Einziger Hoffnungsschimmer war der couragierte Auftritt von Jan-Lennard Struff im Auftakteinzel gegen Simon. Der 24-Jährige hatte den Weltranglisten-14. am Freitag am Rande einer Niederlage, verlor am Ende aber doch nach fast viereinhalb Stunden mit 8:10 im fünften Satz.

Struff dürfte dennoch einer sein, der in Zukunft zum festen Kern des Davis-Cup-Teams zählt. Der Sauerländer bringt mit seinem druckvollen Spiel und harten Aufschlägen vieles mit, muss sich dieses Potenzials nur noch öfter selbst bewusstwerden.

Hoffnung auf Tommy Haas

Ansonsten sieht es im deutschen Herren-Tennis trist aus. Kohlmann sprach zwar davon, man müsse nun "das gute Gefühl dieser Woche" mitnehmen. Aber auch der 41-Jährige dürfte wissen, dass ein steiniger Weg vor ihm liegt.

Im Verband ist er auch für die zweite Garde zuständig. In dem 17 Jahre alten Alexander Zverev ist da zumindest einer, auf den man sich in Zukunft freuen kann. In Frankfurt verzichtete Kohlmann noch auf den Hamburger, er will ihm die nötige Zeit zur Entwicklung geben.

Mit Blick auf die Relegation im Herbst bleibt den Verantwortlichen sonst nur die Hoffnung auf die Rückkehr einiger verletzter Spieler - Florian Mayer, Peter Gojowcyk, vielleicht auch Tommy Haas.