Winterberg l Nico Walther hatte am Sonnabend die Frage nach seiner Zufriedenheit über die ersten beiden der vier Wertungsläufe locker mit "Nö" beantwortet und dabei sein unbeschwertes Lächeln gezeigt. Am gestrigen Sonntag lächelte der 24-jährige Pilot ebenfalls, aber anders: Es war dieses Kampflächeln, das nur jemand aufsetzt, der noch längst nichts verloren hat.

Im dritten Lauf schlug er auf der 1330 Meter langen Bahn von Winterberg zurück, fuhr von Rang vier zunächst auf drei mit nur drei Hundertstelsekunden Rückstand auf den führenden Maximilian Arndt (Oberhof) vor. Etwa zwei Stunden später feierte Walther mit seinen Anschiebern Marko Hübenbecker, Andreas Bredau (beide Mitteldeutscher SC aus Magdeburg) und Christian Poser (SC Potsdam) seine erste WM-Medaille in der Elite - Silber. Arndt, der auch von WM-Debütant Kevin Korona (MSC) angeschoben wurde, holte nach 2013 zum zweiten Mal den Titel mit zwei Hundertstel Vorsprung. "Ich bin sprachlos, es sind so viele Emotionen", freute sich der 26-jährige Korona, der erst 2013 in den Sport einstieg, bei Olympia in Sotschi Ersatzmann war und nun Weltmeister ist.

Zur Siegerehrung am Abend lag hinter 10 000 Fans am Wochenende einer der spannendsten Wettbewerbe der WM-Geschichte. "Am Sonnabend war eine Medaille noch ein Traum. Nach dem dritten Lauf wusste ich, dass es für uns sogar zum Titel reichen könnte", sagte Walther, als das Kampflächeln längst einem Strahlen gewichen war.

Schon nach den ersten beiden Läufen trennten den bis dahin führenden Oskars Melbardis (Lettland), der am Ende Dritter wurde, und das Walther-Team als Vierter nur 16 Hundertstel. "Wir werden uns nach vorne ackern", war sich Hübenbecker (28) da schon sicher. Und sollte Recht behalten: "Ein sensationelles Ergebnis. Glückwunsch auch an Max Arndt. Nach der Schmach von Sotschi sind wir wieder zurück." Beim Olympia-Debakel 2014 waren die Deutschen erstmals nach 50 Jahren leer ausgegangen.

Bredau hatte eher vorsichtig prognostiziert: "Wir sollten auch mit dem vierten Platz nicht traurig sein", erklärte der gebürtige Burger am Sonnabend mit Sohnemann Xeno auf dem Arm. Rund 26 Stunden später jubelte der 30-Jährige in der Zielarena so laut und inbrünstig, wie man es selten von ihm gesehen hat: "Ich bin überglücklich. Mit Silber haben wir mit Nico mehr erreicht, als wir uns vor der Saison vorgestellt hatten." Er, Hübenbecker und Poser haben mit Silber ihren WM-Medaillensatz im Vierer nun komplettiert.

Weil auch die Anschieber auf den Punkt fit waren: Am Start hatte die Crew die beste Leistung dieser Saison gezeigt. "Wir wollten unter 5,10 Sekunden bleiben auf den ersten 50 Metern, das haben wir geschafft", freute sich Hübenbecker. Und wie 21 weitere Teams pulverisierte Walther den Bahnrekord des viermaligen Olympiasiegers André Lange (54,54 sek.) vom November 2008. Mit 53,48 Sekunden hält er nun die Bestzeit - aufgestellt bei zwölf Grad Celsius und Tempo 140.

Walther hat damit eindrucksvoll sein Fahrgefühl, das ihm nachgesagt wird, bestätigt. Obwohl der Zweier-Weltmeister der Junioren von 2014 sich erst im Verlauf seiner ersten Elite-Saison zum Vierer-Spezialisten entwickelt hat. Und der neue, große Schlitten des Teams, Modell 04/8 und Nachfolger der altehrwürdigen "Helene", hat nach seiner WM-Taufe nun auch einen Rufnamen: "Helene 2.0". Das Mädchen hat mit jeder Schraube mitgejubelt.