Winterberg l Als die Dunkelheit über das Hochsauerland längst hereingebrochen war, stand Chris Spring plötzlich im Rampenlicht: Auf der Bühne in Winterberg durfte der kanadische Pilot, Achter des Viererwettbewerbs bei der Bob-Weltmeisterschaft am vergangenen Sonntag, eine große Geste mit einer ebenso großen Geste erwidern. Er hatte zwei Hälften einer Edelplakette aus Gold mitgebracht, die eine behielt er selbst, die andere überreichte er Marko Hübenbecker vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC).

Ein Rückblick: Spring musste am 5. Januar 2012 bei seinem ersten Start in Altenberg schmerzlich erfahren, wie schwierig es ist, diese Bahn zu beherrschen: Er hatte im Training für den Vierer beim damaligen Weltcup mit 130 Kilometern pro Stunde die Kurve 16 zu hoch angesteuert, den Holzabweiser getroffen und war gestürzt.

"Ich hatte mir diesen Lauf auf Leinwand angeschaut. Erst krachte und schepperte es, der Schlitten blieb sofort nach dem Aufprall stehen und rutschte dann langsam das Eis runter", berichtete Hübenbecker, für den es damals, im Schlitten des Oberhofers Maximilian Arndt, der erste Weltcup seiner Karriere war. Zudem hatte sich eine Holzlatte in Springs Oberschenkel gebohrt, "und außerdem eine Kufe in den Hintern", erinnerte sich der 28-jährige Anschieber. "Am Abend bekamen wir die Nachricht, dass Chris nicht in Lebensgefahr schwebt".

Drei Jahre später startete der 31-jährige Spring erstmals wieder in Altenberg, er wurde beim Weltcup Mitte Januar Zehnter. "Er ist nach dem ersten der beiden Läufe mit ausgestreckten Armen und jubelnd wie ein Sieger durchs Ziel gefahren", erzählte Hübenbecker, der im Team des Riesaer Piloten Nico Walther den Wettbewerb gewonnen hatte. "Dann dachte ich: Ich schenke ihm einfach meine Goldmedaille als Anerkennung für seinen Mut und seine bravouröse Rückkehr nach Altenberg."

Nun also gab ihm Chris Spring eine Hälfte wieder zurück, es war Hübenbeckers letztes Highlight bei der Bob-WM, die er mit Silber im Walther-Vierer beendet hatte, danach ging es noch in der Dunkelheit in Richtung Heimat nach Erfurt zu seiner Aileen und Söhnchen Marvin. Immerhin hat der 1,99-Meter-Hüne seit Montag Krippendienst mit seinem einjährigen Sprössling.

Aber er fuhr nicht ohne ein Schulterklopfen von Kanadas Teamchef: "Das sind die kleinen Momente, die den Sport ausmachen", hatte ihm Tom De la Hunty gesagt. Tatsächlich waren es zwei Gesten aus Gold, für die sich jedes Rampenlicht lohnt.