Wolfsburg l Die Fußballschuhe und das "Wölfe"-Trikot konnte Paul Seguin am Donnerstag in der Kabine lassen. Zusammen mit seinem Bruder verfolgte der 19-Jährige das Europa-League-Achtelfinale-Hinspiel des VfL Wolfsburg gegen den 18-fachen italienischen Meister Inter Mailand. Vor vier Wochen, in der Zwischenrunde gegen Sporting Lissabon (2:0), gehörte Seguin Junior zum Kader von Trainer Dieter Hecking. Anfang des Monats kam Seguin beim 2:0 der Niedersachsen im DFB-Pokal bei RB Leipzig sogar zu seinem Profi-Debüt in einem Pflichtspiel. Gegen Mailand blieb dem gebürtigen Magdeburger, der in Stendal aufwuchs und dort die ersten Schritte im Fußball machte, in der fast ausverkauften Volkswagen-Arena dagegen wieder nur ein Platz auf der Tribüne.

"Es ist für mich momentan natürlich nicht einfach. Auf meiner Position habe ich Weltklasse-Spieler vor mir", sagt Seguin, der seit Sommer 2014 zum VfL-Profikader gehört und sich seitdem vor allem in Geduld üben muss. Gerade im Mittelfeld um Doppel-Torschütze Kevin de Bruyne hat Trainer Dieter Hecking ein großes Angebot an exzellenten Fußballern. Spielzeiten bekommt der Sohn von Wolfgang Seguin, dem früheren 21-fachen DDR-Nationalspieler vom 1. FC Magdeburg, deshalb vor allem nur in der Regionalliga Nord.

Im DFB-Pokal in Leipzig kam Seguin kurz vor dem Ende für de Bryune ins Spiel. VfL-Trainer Dieter Hecking wollte damit die guten Leistungen belohnen. Im Herbst 2014 war der Mittelfeldspieler schon einmal auf dem Sprung, ehe ihn ein Stirnhöhlenbruch länger außer Gefecht setzte. Jetzt ist Seguin wieder dran. "Paul geht seinen Weg konsequent weiter, ist im Training sehr auffällig. Schade, dass er in der Hinrunde ausgebremst wurde. Da war er richtig nah dran", erklärt Hecking. "Vielleicht gibt es bald die Möglichkeit, ihm mehr Spielzeit zu geben."

Viele trauen Seguin einen ähnlichen Weg zu wie Maximilian Arnold. Zusammen wurden beide 2013 mit dem VfL deutscher A-Jugend-Meister. Der 20-Jährige, wie Seguin ebenfalls Mittelfeldspieler, hat sich inzwischen einen Stammplatz bei den "Wölfen" gesichert und im Mai 2014 sogar ein A-Länderspiel absolviert.

"Ich denke, ich mache meine Sache ganz gut und hoffe auf eine weitere Chance. Der vierminütige Einsatz im DFB-Pokal bei RB Leipzig war für mich eine Motivationsspritze", sagt Seguin, der seit seinem zwölften Lebensjahr bei den Grün-Weißen spielt.

Vater Wolfgang ("Paul kann Sachen, die ich nie konnte.") traut seinem Sohn auf jeden Fall den Sprung in die Mannschaft zu. Der Vertrag seines Filius läuft bis Mitte 2017. Es wäre also genug Zeit, um sich beim VfL weiter in den Vordergrund zu spielen. Die Frage scheint aber eher, ob Paul Seguin dazu die Ruhe und Geduld aufbringt. Seine Antwort ist diplomatisch: "Ich versuche, weiter mein Bestes zu geben. Ich möchte aber auch für mich das Beste."