Dierhagen l Robin Krasniqis Boxerherz brennt lichterloh. Er sei buchstäblich bereit, "für mein Ziel durchs Feuer zu gehen". Die Glut wurde bereits Ende Dezember in München gelegt. Dort hatte der Halbschwergewichtler vom Magdeburger Boxstall SES mit einem hart erkämpften Punktsieg gegen Rechtsausleger Darius Sek (Polen) die allerletzte Hürde auf dem Weg zur WM-Chance übersprungen und sich als Pflichtherausforderer von WBA-Weltmeister Jürgen Brähmer in Stellung gebracht.

"Seitdem verging kein Tag, an dem ich nicht an diesen WM-Kampf gedacht habe", beteuert Krasniqi vor dem mit Spannung erwarteten deutsch-deutschen Duell am Sonnabend in Rostock (ab 22.35 Uhr live in Sat.1). "Ich hatte immer mein Ziel vor Augen: Ich will Jürgen Brähmer besiegen und Weltmeister werden. Das ist es, was mich die ganze Zeit angetrieben hat. Das ist es, wofür ich monatelang auf alles, was das Leben schön macht, verzichtet habe", erklärt der 27-jährige Herausforderer.

Es ist Krasniqis zweiter Anlauf auf den WM-Thron. Beim ersten vor zwei Jahren in London wurden dem aufstrebenden SES-Boxer vom damaligen WBO-Champion Nathan Cleverly noch kräftig die Flügel gestutzt. "An dieser Punktniederlage hatte ich lange zu knabbern. Ich habe mich geschämt, weil ich so viele Menschen, die an mich geglaubt hatten, enttäuscht habe. Das konnte ich mir lange selbst nicht verzeihen."

Heute weiß der in München beheimatete Herausforderer: "Ich will, kann und werde es diesmal besser machen. Die Lektion von damals war bitter, aber sie hat mich stark gemacht." In den vergangenen zwei Jahren habe er viel dazugelernt und in seinen Kämpfen jede Menge Erfahrungen gesammelt. Und ihm sei klar geworden: Die erste WM-Chance kam einfach zu früh. "Aber ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich sie nicht wahrgenommen hätte. Und vielleicht war es ja genau diese Demütigung, die ich gebraucht habe, um da hinzukommen, wo ich heute bin."

Aber der Weg zum Ziel wird auch diesmal kein leichter sein. Im Gegenteil. Krasniqi (46 Kämpfe, 43 Siege/16 durch K.o.) schätzt den neun Jahre älteren Brähmer als "brandgefährlich, schlagstark und sturm-erprobt" ein. "Ich habe kein Problem damit, zuzugeben, dass er, was das Boxerische sowie Taktik und Technik anbelangt, der Bessere ist. Nicht umsonst ist Brähmer Weltmeister." Zudem sei der Schweriner Rechtsausleger und habe die mit 4 800 Zuschauern ausverkaufte Halle hinter sich. "Das macht die Aufgabe doppelt schwer", so Krasniqi. Dennoch sei er zuversichtlich: "Ich schöpfe daraus Kraft, dass ich in der Form meines Lebens bin. Mehr, als ich mich im Training gequält habe, geht nicht. Diese Gewissheit macht mich wiederum psychisch stark. Und jeder weiß, welche Rolle der Kopf spielt."

Der Champion misst indes den Ankündigungen Krasniqis, ihn in die Boxerrente schicken zu wollen, keine Bedeutung bei. "Wann Schluss ist, entscheide immer noch ich", so Brähmer (46 Kämpfe, 44 Siege - davon 32 durch K.o.), der die "50" noch vollmachen möchte. Also werde er es am Sonnabend "einfach wie immer machen und siegen".