Magdeburg/Rostock l Geteiltes Leid ist halbes Leid. Theoretisch. Praktisch funktionierte das zumindest im ersten Moment nicht bei Robin Krasniqi und Robert Stieglitz. Letzterer war am Samstagabend in Begleitung seiner neuen Freundin nach Rostock gekommen, hatte am Ring mitgefiebert und fest die Daumen gedrückt. Doch das erhoffte Happy End für seinen Magdeburger Stallkollegen blieb aus.

Stieglitz konnte nur zu gut nachvollziehen, wie tief der Stachel der Enttäuschung beim glücklosen Herausforderer von WBA-Weltmeister Jürgen Brähmer saß. Und er hatte Verständnis dafür, dass Krasniqi nichts und niemand auf der Welt nach dem geplatzten WM-Traum trösten konnte: "Es ist egal, was ich jetzt sagen würde, nichts von dem würde bei Robin ankommen. Er ist viel zu sehr enttäuscht. Also werde ich ihn in Ruhe lassen, und wir reden später mal über alles."

Stieglitz selbst hatte fast auf den Tag genau vor acht Jahren als Verlierer durch die Hölle gehen müssen. Er ging damals in Rostock im Duell um den vakanten WM-Titel der IBF in der 3. Runde völlig unerwartet K.o., und der Kolumbianer Alejandro Berrio konnte sich als neuer Weltmeister der IBF im Supermittelgewicht feiern lassen. "Ich werde nie vergessen, wie weh diese Niederlage tat." Aber ebenso sei er der beste Beweis, dass dies nicht das Ende ist. "Ich bin mir sicher, dass Robin es genauso wie ich schafft, seinen Traum wahrzumachen und Weltmeister zu werden", so der 32-Jährige, der knapp zweieinhalb Jahre später seine zweite WM-Chance genutzt und in Budapest WBO-Weltmeister Károly Balzsay durch technischen K.o. in der 11. Runde besiegt hatte.

Ausschlaggebend für die Niederlage Krasniqis sei das Plus an Erfahrung seines Gegners gewesen. Stieglitz: "Man hat gesehen, Robin war top-fit und ich weiß, die Vorbereitung lief optimal." Daran habe es nicht gelegen. "Zunächst war der Kampf recht ausgeglichen, aber dann hat Robin den Fehler gemacht, und wollte zu viel. Er verlor seine Linie und in diesem Moment hat Brähmer seine ganze Erfahrung ausgespielt und Robin mit Kontern zermürbt."

Die Schläge seien von unglaublicher Härte gewesen. "Man hat gesehen, dass Robin körperlich am Ende war. Der Abbruch nach der Verletzung war das einzig Richtige", so der Ex-Champion, der seinem Stallkollegen Geduld ans Herz legt: "Robin braucht noch mehr Kämpfe, die ihn vor allem auch taktisch fordern. Und er muss zusammen mit unserem Trainer Dirk Dzemski Lösungen für bestimme Situationen finden."

Die richtigen Entscheidungen zur rechten Zeit muss auch Robert Stieglitz schon bald wieder im Ring treffen. Er sitzt als Pflichtherausforderer von WBO-Champion Arthur Abraham in den Startlöchern zum vierten WM-Duell seiner Art: "Ich warte nur darauf, dass der Termin feststeht und ich endlich loslegen kann mit der Vorbereitung."