Nach dem WM-Kampf ist vor dem WM-Kampf für Kalle Sauerland und Ulf Steinforth. Beide Box-Promoter haben alle Hände voll zu tun. Die Verhandlungen um die Pflichtverteidigung von Arthur Abraham gegen Robert Stieglitz gehören dazu. Doch diese stocken. Mit beiden Promotern sprach Janette Beck am Rande des Kampfabends in Rostock.

Volksstimme: Herr Steinforth, der Kampf zwischen Arthur Abraham und Ihrem Schützling wirft bereits seine Schatten voraus. Wie steht es um die Verhandlungen zum vierten Duell dieser Art?
Ulf Steinforth (verdreht die Augen):
Das wüsste ich auch gerne. Aber es hat noch keinen Kontakt gegeben, jedenfalls keinen mit offiziellem Charakter. Die eiern bis jetzt nur rum, reden sich mit Zeitmangel raus oder schieben andere fadenscheinige Gründe vor. Einen Termin, an dem wir uns an einen Tisch setzen und um das Wann, Wie und Wo des Duells verhandeln wollen, gibt es also noch nicht.

Die Ränkespiele des Weltmeister-Lagers sind unverständlich, denn an der Entscheidung des Weltverbandes WBO führt doch wohl nichts vorbei?
Richtig. Robert wurde als Nummer eins der WBO-Rangliste zum Pflichtherausforderer ernannt. Und nach Abrahams Sieg bei seiner vorgezogenen und freiwilligen Titelverteidigung gegen Paul Smith, der wir im Übrigen zugestimmt haben, hat der Verband Ende Februar offiziell angeordnet, dass wir in Verhandlungen um die Pflichtverteidigung treten sollen. Mag sein, dass das den Sauerländern nicht in den Kram passt und sie andere Pläne haben, aber es geht hier um eine Pflichtverteidigung des Titels, da kommt keiner drum herum. Ich gehe also davon aus, dass sich demnächst etwas tut, denn die Frist läuft auch bald ab. Notfalls ziehe ich mir dann das Ding auf meinen Tisch und mache den Kampf alleine. Dann natürlich am liebsten im Juni in Magdeburg."

Herr Sauerland, warum so zögerlich bei den Verhandlungen mit den Magdeburgern?
Kalle Sauerland: Wir wollten erst einmal die Pflichtverteidigung von Jürgen Brähmer gegen Robin Krasniqi über die Runden bringen. Ich denke, in den nächsten zehn Tagen werden Ulf Steinforth und ich uns zusammensetzen.

Gehen Sie von erneut harten Verhandlungen aus?
Ach, ich bin eigentlich ein ganz Lieber und Verträglicher (lacht). Aber stimmt, in Verhandlungen bin ich knallhart. Aber das ist Ulf Steinforth auch - bisher haben wir uns aber immer geeinigt.

Ein Haupstreitpunkt war immer der Veranstaltungsort. Wo würden Sie am liebsten boxen?
Wir waren einmal in Berlin und zweimal in Magdeburg. Ich könnte mir diesmal einen gutgelegenen neutralen Ort vorstellen. Leipzig zum Beispiel.

Mal Hand aufs Herz, wie schwer fällt es Ihnen wirklich, die Kröte Pflichtverteidigung gegen Stieglitz zu schlucken?
Oh, Kröte ist aber hart ausgedrückt. Sagen wir mal so, mehr Neuigkeitswert hätte sicher ein Kampf Abraham/Sturm gehabt. Ich finde, auch das vierte Duell Abraham/Stieglitz hat seinen Reiz. Und warum nicht? Sugar Ray Robinson und Gene Fullmer haben sich auch viermal in einem WM-Kampf gegenübergestanden. Und es war jedesmal der Kracher. Wir haben ja auch selbst gesehen, dass soetwas zieht. Dreimal war die Halle voll und Millionen haben vorm Fernseher gesessen. Solche brisanten Kämpfe auf Augenhöhe elektrisieren die Boxfans in Deutschland einfach.

Ihre neueste Idee zielt offenbar in die gleiche Richtung?
Ich bin bekannt als Fan von Turnieren. (Sauerland ist der "Macher" des Super-Six-Turniers, an dem neben Abraham die besten Super-Mittelgewichtler der Welt teilnahmen). Mir schwebt also eine Viererrunde mit Arthur Abraham, Felix Sturm, Robert Stieglitz und Jürgen Brähmer vor. Das wäre ein Super-Ding.