Zerbst l Sein Telefon steht seit Wochen nicht mehr still. Andreas Förster ist beim SKV Rot-Weiß Zerbst die "Mutter der Kompanie", beim Sportwart laufen alle Fäden zusammen - auch vor dem Champions-League-Finale. hat mit der Organisation und der Vorbereitung alle Hände voll zu tun. Förster stellt sich seit Beendigung seiner Kegel-Laufbahn - er spielte mit den Zerbstern und deren Präsident Lothar Müller in der DDR-Oberliga - voll in den Dienst des SKV. Als Vorstandsmitglied war vor allem die Neugründung im Jahr 1999 ein prägendes Ereignis. "All die Umwälzungen, die Wende und die Frage, wie geht es mit dem Kegelsport weiter, sind unvergessen", sagte er. "Als wir selbst nicht mehr aktiv waren, wollten wir es richtig und professionell machen."

Dass diese Professionalität Früchte trägt, daran hat Förster einen entscheidenden Anteil. Viele Widrigkeiten und Niederschläge mussten überwunden werden. Aber gerade deren Überwindung löste "Wunder" aus. "Wir haben uns noch mehr reingekniet und von da an ging es nur noch steil bergauf."

"Die Chancen stehen 50:50. Es kommt auf die Tagesform an und ob sich jeder für diesen Moment intensiv vorbereitet hat."

Von der Landesmeisterschaft über den Durchmarsch von der 2. in die 1. Bundesliga hielt der SKV sensationell mit Rang fünf diese höchste Klasse. Der größte und prägendste Erfolg war für den Familienvater die erste deutsche Meisterschaft im Jahr 2005. "Das war einfach die Krönung und etwas ganz Besonderes", schwelgt der mittlerweile zehnfache deutsche Meister gern in der Erinnerungen.

Um das "Unternehmen SKV" am Laufen zu halten, investiert der Vertreter eines Fachgroßhandels für Heizung und Sanitär in Burg sehr viel Arbeit und Zeit. In der Saison ist er fast täglich mit den logistischen Aufgaben beschäftigt, verbraucht bis zu zehn Tage eigenen Urlaub, um zu den Wettkämpfen mitzureisen.

"Wir sind wie ein kleines mittelständisches Unternehmen, das zielgerichtet geführt werden muss und wo alle an einem Strang ziehen müssen", sagt er. Und als "Mutter der Kompanie" muss er oft dafür sorgen, dass "alle Charaktere unter einen Hut passen". "Das ist oftmals nicht leicht, doch die Jungs sind schon alle ziemlich okay", so der Coswiger, der so manche Episode "im Köcher hat".

Morgen steht für Förster und "seine Kinder" die Champions League im bayrischen Straubing an. Ein Highlight, das die Zerbster gern siegreich beenden möchten. Im Vorjahr hatte es zu Bronze gereicht. Deshalb will Förster dieses Mal alles anders machen. "Wir sind abergläubisch", zwinkerte er. "Ich habe ein anderes Hotel gebucht und wir treffen uns wie zu einem Punktspiel erst am Samstag um 12.30Uhr zum gemeinsamen Essen. Danach gehen wir erst ins Kegelcenter, um uns auf das Halbfinale gegen Belgrad (Beginn 16.30Uhr/d.Red.) vorzubereiten."

Nun hofft er, dass diese Veränderungen auch greifen. "Die Chancen stehen 50:50. Es kommt auf die Tagesform an und ob sich jeder für diesen Moment intensiv vorbereitet hat. Fehlen nur zwei Prozent, haben wir keine Chance." Bleibt zu hoffen, dass Andreas Försters persönliche Erfolgsgeschichte und der des SKV mit einem Sieg ein weiteres Kapitel angefügt werden kann.