Magdeburg l Ein leerer Bauch trainiert nicht gern. Das leicht umgewandelte Sprichwort hat Helmut Kurrat, Leiter des Olympiastützpunktes Sachsen-Anhalt, offensichtlich dazu inspiriert, ein Medienfrühstück mit allen Magdeburger Top-Athleten zu organisieren. Dieser besonderen Einladung ins Ratswaagehotel waren neben zahlreichen Pressevertretern nahezu alle Olympia-Kader nur zu gerne gefolgt. Und 15 "voll im Saft" am Büfett stehende Athleten - diese geballte Sport-Macht war in der Tat beeindruckend.

Zudem hatte das Stelldichein Seltenheitswert, denn schon wenig später - die jeweiligen Trainer gaben in einem kurzen Statement einen Überblick zum Stand der Vorbereitungen auf die Saison - stellte sich her-aus, dass die Leichtathleten, Kanuten, Schwimmer, Ruderer, Handballer und Sportschützen schon in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten wieder in alle Winde verstreut sind. Was letztlich alle Magdeburger wieder eint, ist der Kampf um das hehre Ziel: Ihle, Hacker, Wierig Co. wollen sich in der vorolympischen Saison für die Spiele 2016 in Stellung bringen.

Und so gab es gleich auch die Ansage von Kurrat, wohin die Reise in 491 Tagen gehen soll: "Wir wollen unser Ergebnis von den Spielen in London toppen", erklärte der OSP-Leiter, um mit süßsaurer Miene hinterherzuschieben: "Das ist allerdings so schwierig nicht, denn bekanntlich war es nur Andreas Ihle mit Bronze gelungen, eine Medaille in London zu erkämpfen."

Für die Jagd nach Olympia-Quotenplätzen, -Normen und -Tickets sieht Kurrat den OSP gut aufgestellt. Die Umfeldbedingungen in Magdeburg befänden sich auf einem "geeigneten Niveau, um Spitzenleistungen zu organisieren". Und Kurrat ist überzeugt davon: "Es existiert eine gesunde Breite an erfahrenen, aber auch jungen Athleten, die sich gute Ausgangspositionen erarbeitet haben. Wir sind als OSP bereit, sie sinnvoll und monetär auf ihrem Weg nach Rio zu begleiten."

Auf dem Sprung über den großen Teich waren die Leichtahleten. Die Kurz- und Langsprinter um Bundestrainer Marco Kleinsteuber sind noch vor Ostern Richtung Florida aufgebrochen. Im Anschluss an die trainingsharten Wochen in der Wärme erfolgen erste Wettkämpfe. Diese sollen der frühen Formfindung dienen, denn schon Anfang Mai bei den Staffel-WM auf den Bahamas geht es um die Wurst. "Wer mit der Staffel das Finale der besten acht erreicht, hat einen Quotenplatz für seine Nation in Rio sicher. Das muss unser Ziel sein", erklärt Kleinsteuber, der mit Thomas Schneider und Eric Krüger (4x400 Meter) und Matthias Lindner (4 x 100 Meter) gleich drei Eisen im Feuer hat.

Mit Blick auf den Jahreshöhepunkt, die WM im August in Peking, gehen die Vorgaben noch etwas darüber hinaus: Kleinsteuber: "Bei der WM wollen wir nicht nur erfolgreiche Teilnehmer in der Staffel sein, sondern auch die eine oder andere Einzelqualifikation anstreben."

Zur WM wollen auch Martin Wierig, Matthias de Zordo und David Wrobel. Das Wurf-Trio will sich auf Zypern in Form bringen, Anfang Mai stehen die ersten Wettkämpfe an. "Wenn`s nach mir geht, möchte ich die WM-Norm von 65 Metern so schnell wie möglich abhaken und mich auf die WM konzentrieren", schaut Diskus-Ass Wierig voraus.

Butter bei die Fische heißt es sogar noch etwas früher für die Becken-Schwimmer. Hier stehen bereits vom 9. bis 12. April die deutschen Meisterschaften an, hier wollen vor allem Franziska Hentke und Johanna Friedrich die Weichen für eine erfolgreiche Teilnahme an der WM in Russland stellen. Für die Freiwasserschwimmer haben die Weltcups Priorität, denn hier geht es bereits um die Olympia-Qualifikation. Trainer Berkhahn stellte kurz und bündig fest: "Wir haben gut geübt, und der Pokal-Wettkampf am vergangenen Wochenende hat gezeigt, wohin es gehen kann."

Einen solchen Fingerzeig hat es auch bei den Ruderern schon gegeben. Zwar hätten sich seine Schützlinge um Olympia-Routinier Marcel Hacker (36) beim Ergometertest und auf der Langstrecke "ganz ordentlich geschlagen", dennoch erhofft sich Trainer Roland Oesemann "mit noch mehr Biss eine weitere Steigerung bei den Kleinbootmeisterschaften in drei Wochen. Die Ergebnisse dort werden entscheidend sein, wie`s weitergeht."

In 14 Tagen geht es bei den Kanuten ans Eingemachte. Für das Team um "Nestor" Andreas Ihle, wie Eckhard Leue den 35-Jährigen Olympiasieger bezeichnete, der seinen fünften Spiele anstrebt, steht die erste Qualifikations-Regatta an. "Alle haben vernünftig trainiert und sind ohne Probleme durchgekommen", so der Trainer. Die Plätze im Nationalteam seien hart umkämpft, dabei gehe es oft um Zehntelsekunden. "Wenn aber alle begreifen, dass es ein Miteinander und kein Gegeneinander ist, bin ich guter Dinge, dass am Ende mindestens einer auf dem WM-Treppchen steht."