Kiel (dpa/cm) | Der Handball-Gipfel zwischen Meister THW Kiel und Vize Rhein-Neckar Löwen ist für Thorsten Storm kein Spiel wie jedes andere. Aber es ist auch kein Duell, das den Kiel-Manager unruhig schlafen lässt. "Für mich zählt im Moment nur der THW", sagt Storm, der im Herbst 2014 zurückkehrte. In den sieben Jahren zuvor formte er die Löwen zu einer Top-Adresse. "Ich habe in Mannheim eine intensive Zeit verlebt, mein Sohn ist in Heidelberg geboren", betont er.

Er habe das Löwen-Team zusammengestellt und den Verantwortlichen auch seinen Freund Nicolaj Jacobsen als Trainer vorgeschlagen. "Wie sich herausgestellt hat, war das eine gute Wahl." Wie gut, wird sich am Sonntag (17.15 Uhr) zeigen. "Die beiden besten deutschen Mannschaften spielen gegeneinander", sagt Storm voller Vorfreude auf das Duell, bei dem der Sieger beste Chancen auf den Meistertitel hat. "Das ist ein absoluter Saisonhöhepunkt. Handballherz, was willst Du mehr?"

In der Vereinsgeschichte der Badener hat der 50-Jährige ein großes Kapitel geschrieben. In der des THW Kiel verhielt er sich bei seinem ersten Anlauf unauffällig. Als Rechtsaußen (1989/90) warf er nur zehn Tore. Als Marketingleiter (bis 2002) stand der Erfinder des Kult-Maskottchens "Hein Daddel" klar im Schatten von Manager Uwe Schwenker. Bei seinem Comeback tritt der Nordfriese bescheiden auf.

"Ich stehe nicht im Mittelpunkt", sagt er stets und lebt es auch. Lost die Europäische Handball-Föderation (EHF) die Paarungen in der Champions League aus, vertritt Sabine Holdorf-Schust den THW. Die Geschäftsstellen-Leiterin ist in den turbulenten Jahren nach der Manipulationsaffäre neben Trainer Alfred Gislason das internationale Gesicht des Rekordmeisters geworden. Storm hat damit keine Probleme. Vergessen ist auch, wie Schwenker und Fans bei seiner Verpflichtung im Vorjahr Sturm liefen. Der Shit-Storm ist aber längst abgeebbt.

Die Fans fühlten sich damals vom Aufsichtsrat, der den Verein nach der Schwenker-Entlassung führte, missverstanden. Mit Storm gab es wieder einen Manager, der ihnen zuhörte und mit entsprechenden Freiheiten ausgestattet wurde. Storm, der schnell die Aussprache mit den Fans suchte, verkaufte ihnen beispielsweise Pokaltickets für fünf Euro. Demnächst soll in der Arena eine Gastronomie-Ecke eingerichtet werden, damit sie auch nach dem Abpfiff einen Treffpunkt haben. "Mit ihm bewegt sich was", sagt Frank Henke, Vorsitzender des "Schwarz-Weißen"-Fanclubs. "Wir werden wieder ernst genommen."

Ähnliche Töne sind von den Sponsoren zu hören, die jahrelang stiefmütterlich behandelt worden waren. Viele haben ihr Herz für den Fußball-Drittligisten Holstein Kiel entdeckt. Mit Wolfgang Schwenke, den Storm einst als Interimscoach zu den Löwen lotste, arbeitet hier ein Manager, der dieses Vakuum zu nutzen wusste. Storm muss aufholen, und er bemüht sich intensiv. In seinem ersten Monat als THW-Manager standen im November 2014 in seinem Kalender mehr als 60 Termine.

Lobend äußert sich auch Trainer Alfred Gislason, der Storms Rückkehr ausdrücklich befürwortete und sich damit den Unmut seines Freundes Schwenker zuzog, dessen Trauzeuge er war. "Thorsten ist ein absoluter Fachmann. Er macht seine Sache sehr gut", betont Gislason.

Mit der Reaktivierung der Ex-Zebras Steinar Ege und Henrik Lundström bewies Storm bereits, dass er auf Personalprobleme schnell reagieren kann. Findet er nun auch noch einen Nachfolger für den Hauptsponsor (Provinzial), der sein Engagement im Juni um rund eine halbe Million Euro reduzieren wird, hat sich seine Verpflichtung für den Verein bereits nach wenigen Monaten ausgezahlt. Privat ist Storm, der mit einer Kielerin verheiratet ist, schon längst angekommen.