Magdeburg l "Die Planungen für eine neue Saison beginnen schon im Sommer des Vorjahres", erzählt Schröder, der jeden Morgen von Magdeburg-Diesdorf ins Büro des Renn-Vereins im Herrenkrug fährt - die gut zehn Kilometer mal mit der Straßenbahn, mal mit dem Fahrrad. Mit 65 hatte ihn seinerzeit Ex-Präsident Ulf Krüger den Posten des Geschäftsführers nahegelegt. "Jetzt geht es schon ins verflixte siebte Jahr", lacht Schröder.

Deutlich länger, nämlich 28 Jahre, ist Gaedecke dabei. War dabei, müsste es eher heißen, denn der einzige Hauptamtliche im Renn-Verein ist seit Ende 2014 im Ruhestand. Doch von heute auf morgen aufhören konnte und wollte er nicht. So macht er auf 450-Euro-Basis weiter und arbeitet derzeit seinen Nachfolger Jens Hitzeroth (Marketing-Verantwortlicher im Club) ein.

Bei der Frage, was für ihn die einschneidendsten Erlebnisse in all den Jahren waren, muss Gaedecke nicht lange überlegen: "Da erinnert man sich natürlich an die erste Hochwasser-Katastrophe 2002 - eine Extrem-Situation. Und 1994 ist an einem Renntag einmal ein Pferd ausgebüxt und erst am Hauptbahnhof wieder eingefangen worden. Als es vorm Container der Deutschen Bank stand, haben wir alle geflachst: Kein Gewinn, aber schon Geld abholen", schmunzelt Gaedecke, der täglich mehr als acht Stunden auf dem Gelände verbringt ("Da gehört schon eine Menge Herzblut dazu").

Wichtig für Trainer und Jockeys ist die Bodenbeschaffenheit des Geläufs - eine von Gaedeckes vielfältigen Aufgaben. An acht verschiedenen Stellen wird per Bodenprüfgerät gemessen, wie tief der Dorn in die Erde eindringt und der Mittelwert an das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen nach Köln gemeldet, das die Zahl wiederum im Internet veröffentlicht. Gaedecke: "Wir haben auf unserer Grasbahn meist guten Boden, das heißt, eine Tiefe um 3,5 Zentimeter. Ausgefallen ist ein Renntag noch nie."

Jedes Rennen wird vorher vom Dachverband abgenommen. Es müssen also nicht nur die Bedingungen auf der Bahn, sondern auch die technischen Einrichtungen, Stallungen und Gastboxen in einwandfreiem Zustand sein. Am Renntag selbst sind rund 70 Mitarbeiter beschäftigt, berichtet Schröder, allein etwa 30 Kassierer(innen) gibt es, die Totochef Torsten Meyer vor jeder Saison zwei Stunden schult. "Bei den Wetten geht es mitunter um viel Geld, da muss alles stimmen", so Schröder.

Ferner erfordern Catering, Werbung und Sponsorenpflege jede Menge Vorbereitung und Organisation. Speziell beim Galopprennen sind aber auch Individualisten am Werk. So darf z. B. ein Hufschmied (seit Jahren ist dies Olaf Kusian aus Uthmöden/Altmark) ebenso nicht fehlen (Schröder: "Er muss glücklicherweise nur ganz selten eingreifen") wie ein Identitätsbeauftragter. Jeder Vierbeiner hat einen implantierten Chip und einen Pferdepass und wird überprüft. Auch Dopingkontrollen - jeweils bei zwei Pferden pro Renntag - werden durchgeführt. In all den Jahren gab es, so Gaedecke, in Magdeburg nur drei Fälle von Dopingvergehen, als Trainer oder Besitzer falsche Medikamente eingesetzt hatten. Eigene Tiere besitzt der Renn-Verein im Übrigen nicht.

Und ebenso keine computergesteuerte Zielfoto-Anlage, die auch für den morgigen ersten Renntag 2015 aus Dresden ausgeliehen wird und stets letzte Klarheit bringt. Gaedecke: "Einmal hatten wir fünf Perde auf einer Linie. Da hat die Auswertung 15 Minuten gedauert. Normalerweise geht`s viel schneller."

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