Magdeburg l Zeit für Söhnchen Haakon. Kaffee trinken. Beine hochlegen. Entspannen. Der Montag des Marcel Hacker in seiner Wahlheimat Blankenburg hatte viel von Ruhe. Bevor der 1,96-Meter-Hüne vom SCM wieder das erledigt, was er seit 1991 täglich erledigt: "Wir werden weiter trainieren. Und wir werden sehen, was geht", erklärte der 37-Jährige am Tag nach seinem Silber-Gewinn bei den deutschen Kleinboot-Meisterschaften in Brandenburg.

Während ihn die Medaille sogar glücklich stimmte, zeigt deren Kehrseite dem deutschen Rudern sein nun größtes Problem auf: Nach 40 erfolgreichen Jahren, in denen Olympiasieger und Weltmeister wie Peter-Michael Kolbe, Thomas Lange oder eben Hacker diese Diziplin prägten, muss nun nach einem international konkurrenzfähigen Nachfolger gesucht werden - zunächst für die neue Saison.

Entspannung konnte sich der Bundestrainer deshalb nicht leisten an den vergangenen beiden Tagen. Marcus Schwarzrock ist ja für solche Momente erprobt als Fan des Hamburger SV, der dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga entgegentaumelt. "Da muss man sehr leidensfähig sein", sagte er lachend. Aber zum Lachen ist dem Chefcoach im Deutschen Ruderverband (DRV) eigentlich nicht. Wenn er über das Prestigeboot Einer redet, senkt sich die Stimme um eine Oktave und klingt nachdenklich: Am Sonntag sind ihm mit dem finalen Resultat auf dem Beetzsee die Solo-Skuller auf Weltniveau ausgegangen. "Wir haben ein klares Einer-Problem, das muss man so sagen", bestätigte Schwarzrock.

Dass der favorisierte Hacker sein selbstgestecktes Ziel, mit sechs Sekunden Vorsprung zu gewinnen, nicht erfüllen könnte, "dafür hatte es kleine Anzeichen im Vorfeld gegeben", meinte Schwarzrock. Das letzte bei der Langstrecke in Leipzig, als Stephan Krüger den Altmeister über die 6000 Meter um 19 Sekunden auf Platz zwei verwies. In Brandenburg gewann der 26-jährige Rostocker mit 2,28 Sekunden über 2000 Meter. "Er hat seine ganze Klasse ausgespielt", betonte Schwarzrock. Aber diese Klasse war und ist vor allem für den Doppelzweier besonders wertvoll.

Und der Bundestrainer hat nicht mehr viel Zeit, um sein Team für die Weltmeisterschaft im September in Aiguebelette (Frankreich) zu finden. "Die Feuerprobe dafür ist bereits bei der Europameisterschaft", erklärte der 48-Jährige - die EM steigt vom 29. bis 31. Mai in Poznan (Posen/Polen). Den ersten Schritt der Neuformierung des Skuller-Teams muss er nun beim Weltcup in Bled (Slowenien/8. bis 10. Mai) gehen. "Für mich ist das ein Vorbereitungswettbewerb", sagte er entsprechend.

Schwarzrock wird acht Athleten dorthin schicken. Sie werden in zwei Doppelzweiern und einem Doppelvierer starten. In welcher Konstellation, das entscheidet ein internes Zweier-Rennen wenige Tage zuvor. Fest steht bereits: "Marcel Hacker ist dabei", erklärte der Coach.

Nur der Einer wird in Bled zunächst keine Rolle spielen. Schwarzrock will zwar das Gespräch mit Krüger suchen, zumal sich dieser "sehr gut entwickelt hat". Aber diese Geschichte läuft irgendwie nicht auf den Rostocker hinaus. Vielleicht gibt es ja eine Lösung, wie sie der SCM zur WM 2009 erlebte. Der damals 19-jährige Mathias Rocher, der seine Karriere längst beendet hat, wurde in Poznan Fünfter, während Hacker im Vierer zu Bronze fuhr. In diesem Jahr wurde der Hamburger Tim Ole Naske (fast 19), der amtierende Einer-Weltmeister in der U 19 also, Sechster bei den Kleinboot-Meisterschaften.