Magdeburg/Limassol l Genug Gewichte haben die Werfer in den Wochen und Monaten der Grundlagenlegung für die im Mai beginnende Freiluftsaison gestemmt. So viele sogar, dass Martin Wierig und seine Teamkollegen seit der sogenannten "Kraftspitze" während des zweiwöchigen Trainingslagers in Portugal keine Hanteln mehr sehen mögen. Alle sind froh, dass in Zypern nunmehr das eigentliche Wurfgerät das Training dominiert - der Diskus. "Endlich kommt das Feintuning dran. Es geht um die Technik. Das heißt: Würfe, Würfe, Würfe - mit leichten und schweren Geräten, aber vor allem mit dem Wettkampfdiskus", erläutert Wierig das Programm für die nächsten zwei Wochen.

Dass der muskelbepackte Zwei-Meter-Hüne nach einer eher durchwachsenen Saison mit Tiefpunkt bei der EM in Zürich, wo er den Endkampf verpasst hatte, über den Winter hinweg mächtig zugelegt hat, ist nicht zu übersehen. Das Kraftbolzen habe "reingehauen" und "im Vergleich zum Vorjahr habe ich noch ein bisschen an Muskelmasse zugelegt", grinst der 27-Jährige, lässt den Bizeps dabei blitzen und verweist auf eine unfassbare Zahl: 500 Tonnen habe er zuletzt im Kraftraum bewegt. Das sind umgerechtet 500 000 Kilogramm oder 100 ausgewachsene Elefanten, die der WM-Vierte virtuell durch die Gegend geschubst hat. "Irgendwann bist du an dem Punkt, da spürt man jeden Muskel einzeln, und der Physiotherapeut wird zu deinem besten Freund."

Ob sich die ganze Schufterei gelohnt und der Feinschliff funktioniert, weiß Wierig frühestens am 10. Mai beim Werfercup in Wiesbaden. Hier ist der Saisoneinstieg geplant, und hier hat der Schützling von Armin Lemme in der Vergangenheit schon oftmals ein erstes Achtungszeichen setzen können. "Die Bedingungen sind in Wiesbaden immer top, da kann man, wenn`s optimal läuft, gleich das erste Mal die Norm abhaken."

Jene für die WM in Peking Ende August liegt bei 65 Meter. Für Wierig, der im März das Indoor-Istaf in Berlin mit 64,24 Metern gewinnen konnte, mit dem richtigen Wind machbar. Für den 23-jährigen Wrobel, der sich 2014, in seinem ersten Jahr beim SCM, auf 62,72 Meter gesteigert hatte, liegt die Messlatte wohl noch zu hoch. "Bis jetzt läuft alles wie geplant und wir arbeiten bis Wiesbaden noch ein wenig an der Verfeinerung der Technik. Vielleicht klappt es ja, mit einer Bestleistung einzusteigen."

Politik der kleinen Schritte bei de Zordo

An WM-Normen oder gar Bestleistungen kann und will Speerwerfer Matthias de Zordo derweil nicht denken. Für den Weltmeister von 2011, dessen Hausrekord von 88,36 Metern aus dem selben Jahr stammt, gilt die Politik der kleinen Schritte. "Alles geht, nichts muss", nachdem der 27-Jährige eine fast zweijährige Leidenszeit hinter sich hat. Im Mai 2013 riss er sich beim Werfertag in Halle, seinem ersten großen Wettkampf für den SCM, die Achillessehne.

An den schwärzesten Tag seiner Karriere, der ihn "bis in die Steinzeit zurückgeworfen" hat, verschwendet de Zordo kaum noch Gedanken: "Ich versuche, nur nach vorn zu schauen." Auf das gerade zu Ende gegangene Trainingslager in Zypern schaut er um so zufriedener zurück: "Der Schwerpunkt lag auf Würfen und der Technik-Rückgewinnung. Der eine oder andere kleine Stolperstein ist noch da, aber die bekommen mein Trainer Ralf Wollbrück und ich ganz sicher auch noch aus dem Weg geräumt."

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