Racice | Drei Goldmedaillen in den wichtigen olympischen Disziplinen gleich zum Auftakt der Kanu-EM machten Verbandschef Thomas Konietzko stolz.

"Das war ein Traumstart!", kommentierte der deutsche Delegationschef die bemerkenswerten Auftritte seiner Paddler zu Beginn des Entscheidungswochenendes bei den kontinentalen Meisterschaften in Tschechien. Olympiasieger Sebastian Brendel im Canadier-Einer, Max Hoff im Kajak-Einer sowie Max Rendschmidt/Marcus Groß im Kajak-Zweier sorgten mit ihren 1000-Meter-Siegen am Samstag schon vor den abschließenden Rennen in Racice tags darauf für eine überaus gelöste Stimmung im Lager des Deutschen Kanu-Verbandes.

Yul Oeltze und Ronald Verch mit Bronze im Canadier-Zweier über dieselbe Distanz sowie Kajak-Einer-Ass Franziska Weber mit Gold in der bei den Frauen nicht olympischen 1000-Meter-Disziplin schraubten das Ergebnis gar auf fünf Medaillen hoch. "Das war ein schöner, sonniger und erfolgreicher Tag. Wir hatten insgesamt gehofft, fünfmal auf dem Treppchen zu stehen - aber klar war das auf keinen Fall", konstatierte Bundestrainer Reiner Kießler, für dessen Athleten es im August in Mailand bei den Weltmeisterschaften richtig ernst wird. Beim Jahreshöhepunkt geht\'s um die begehrten Olympia-Quotenplätze.

Den EM-Läufen in diesem Jahr wird dagegen keine wesentliche sportliche Bedeutung beigemessen. Die erstmalige Austragung der Europaspiele im Juni hat den Terminkalender durcheinandergewirbelt, nur deshalb sind die Racice-Rennen an den Anfang der Saison gerückt. Weil der Deutsche Kanu-Verband bisher nicht mal seine zweite nationale Qualifikation ausgefahren hat, stehen auch nur die zehn im vergangenen Jahr stärksten Kanuten am Start - einige Nationen verzichten dagegen zu diesem frühen Zeitpunkt komplett auf ihre erste Garde. "Es gilt zu berücksichtigen, dass nicht alle Spitzennationen am Start waren", gestand bei aller Freude auch Konietzko.

Besonders eindrucksvoll war dennoch einmal mehr die Vorstellung von Canadier-Ass Brendel, dem amtierenden Weltmeister, Europameister und Olympiasieger über seine Paradestrecke. "Schon nach 200 Metern war ich mir sicher, dass es eine Medaille wird", bilanzierte der erfolgsverwöhnte 27 Jahre alte Potsdamer, der bei der historischen WM-Pleite vergangenes Jahr in Moskau die einzige Goldplakette fürs deutsche Team im olympischen Bereich ergattert hatte.

Damals hatten vor allem die Frauen um Zweier-Olympiasiegerin Franziska Weber enttäuscht. Einen Tag vor dem wichtigeren 500-Meter-Rennen belohnte sich die 25-Jährige mit 1000-Meter-Gold schon mal für ihre Aufbauarbeit im Training. "Ich kann es doch noch!", befand sie erleichtert und zeigte sich nach den Rückschlägen von 2014 "total glücklich und froh, dass das Boot wieder läuft".

Die beiden einzigen deutschen Boote für die olympischen Sprintdistanzen sind in die Endläufe eingezogen. Die Kajak-Zweier-Europameister Ronald Rauhe und Tom Liebscher machten im tschechischen Racice in ihrem 200-Meter-Vorlauf den ersten Schritt zur Titelverteidigung und qualifizierten sich direkt fürs Finale. Stefan Kiraj musste im Canadier-Einer einen Umweg über den Zwischenlauf nehmen, kam dann aber knapp weiter.