Magdeburg l Wenn jemand sage und schreibe 65 Jahre lang einem Verein die Treue hält, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie alt ist derjenige überhaupt? "Ich bin jetzt 79, fing mit 14 Lenzen, also 1950, an. Der damalige Toto-Leiter im Herrenkrug, Gerd Hallmann, fragte mich seinerzeit, ob ich mir etwas dazuverdienen wolle. Meine erste Aufgabe bestand darin, als Bote die Tüten von der Kasse zur Rechenstube zu bringen. Dafür gab\'s immerhin sechs Alu-Mark", blickt Röhler zurück und erzählt dann, dass er sich langsam "hochgearbeitet" habe.

Nach der Wende wollte der Verein neue Strukturen schaffen und unter anderem einen Toto-Infoschalter für Zuschauer einrichten. Gesagt, getan. Und da steht Röhler, stets tatkräftig unterstützt von seiner ebenfalls 79-jährigen Ehefrau Margit, noch heute.

Dass man an solch einem Infostand über all die Jahre eine Menge erlebt, versteht sich fast von alleine. Und dass man kontaktfreudig sein muss, ist ebenfalls unerlässlich. "Ich bin früher nebenbei Güter-Taxi gefahren. Da gab es zu DDR-Zeiten oftmals lange Touren, und man kam zwangsläufig mit dem Fahrgast ins Gespräch", sagt Röhler, der hauptberuflich als Kraftfahrer unterwegs war.

Nicht zuletzt geht es in Magdeburg aber mitunter auch recht amüsant zu. "Ich bin sozusagen der Aufklärer, was ja auch eine andere Bedeutung hat. Das nötige Fingerspitzengefühl, gerade bei den Damen, gehört natürlich dazu", schmunzelt Röhler.

Mehr als 400 Renntage miterlebt


Und wie verläuft so ein Tag am Info-Stand? "Das ständige Stehen ist schon anstrengend", betont der Ur-Magdeburger, der zudem darauf verweist, dass die beiden permanent vor Ort sein müssen und dadurch von den eigentlichen Rennen nicht viel mitbekommen.

Die meisten Fragen gibt es zu Pferden, zu Jockeys oder der Bodenbeschaffenheit. Viele lassen ihren Tippschein auch ausfüllen. Margit Röhler: "Es kam vor, dass jemand sagte: Nun schreiben Sie mal. Und auf unseren Einwand, dass die Wette verkehrt sein kann, entgegnete: Och, das glaub ich nicht." Jürgen Röhler: "Einmal fragte mich jemand, ob er auf das Pferd mit der roten Krawatte setzen solle. Ich habe ihm mit der Begründung abgeraten, dass schon die Zunge raushängt ..."

Mittlerweile haben die Röhlers, die auf mehr als 400 Renntage zurückblicken, viele Stammkunden, die gerne auf einen Plausch vorbeischauen oder auch schon mal einen Kaffee oder Sekt ausgeben. "Es geht eben sehr familiär zu. Daher freuen wir uns jedes Jahr aufs Neue auf den ersten Renntag", verrät Fußball-Fan Röhler, der es nicht krummnimmt, wenn es speziell zu Himmelfahrt, eben auch Vatertag genannt, durchaus feucht-fröhlich zugeht: "Da kippt schon mal ein Bier um, oder es sucht sich nebenan einer ein Schlafquartier. Zu DDR-Zeiten war das Feiern noch stärker ausgeprägt, weil Himmelfahrt staatlich verpönt war, die Bürger es sich aber nicht nehmen lassen wollten." Na dann, auf ein Neues!