Halle/Saale - Selbst nach dem Nachtflug aus Doha war Kugelstoß-Weltmeister David Storl hellwach und gleich wieder der Chef im Ring.

Keine 24 Stunden nach seinem Erfolg im Golf-Emirat Katar krönte der 24-Jährige bei den 41. Halleschen Werfertagen seine Super-Serie mit dem nächsten Sieg: An die 21,72 Meter kam keiner seiner Konkurrenten auch nur annähernd heran, jeder seiner fünf gültigen Versuche war mindestens 21,25 Meter weit. Im Vergleich zu Doha konnte sich Storl um 21 Zentimeter steigern. Die 22 Meter liegen in der Luft.

Auch Christoph Harting setzte im Diskusring noch einen drauf: Der jüngere Bruder von Olympiasieger Robert Harting gewann die hochklassige Konkurrenz mit 67,93 Metern. Damit übertraf der Berliner seine sechs Tage alte Jahresweltbestleistung um 40 Zentimeter. Gut drei Monate vor der Leichtathletik-WM in Peking setzten die beiden deutschen Hoffnungsträger erneut starke Akzente.

"Heute war das technisch viel besser als in Doha. Vor allem bin ich schmerzfrei durchgekommen", sagte Kugel-Ass Storl, der im Flieger von Doha nach Berlin fünf Stunden schlafen konnte und um 9.00 Uhr in Halle war. Langsam, aber sicher nähert sich der Mann vom SC DHfK Leipzig, dessen operiertes linkes Knie immer noch schmerzt, den 22 Metern. "Klar, im Training habe ich das schon geschafft. Das ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit. Ich will die 22 aber nicht auf Biegen und Brechen", sagte der 24-Jährige nach dem besten Saisonstart seiner Karriere. Storls persönliche Bestleistung liegt bei 21,97 Metern.

Was Robert Harting im Vorjahr nicht geschafft hat, das glückte seinem jüngeren Bruder Christoph bei den 41. Werfertagen: ein Sieg. Die Hierarchie im Hause Harting wird der 24-Jährige damit sicher nicht durcheinanderbringen - die WM-Norm hatte er schon vor Wochenfrist in Wiesbaden (67,53 Meter) deutlich übertroffen. Bruder Robert klatschte am Diskusring Beifall, als sich Christoph erneut steigerte und deutlich vor dem Australier Benn Harradine (65,47 Meter) gewann.

"Wir haben im letzten Jahr fast alles umgestellt, die Technik, ich habe einen neuen Trainer. Das frisst natürlich Energie", erklärte Christoph Harting. "Und da kann man nach einem Jahr doch mal den Lorbeer ernten."

Hammerwerferin Betty Heidler musste sich als Zweite mit 70,46 Metern erneut einer Chinesin geschlagen geben. Diesmal gewann Liu Tingting mit 71,40 auf jener Anlage, auf der die in Berlin lebende Frankfurterin vor vier Jahren Weltrekord geworfen hatte.

Das Diskuswerfen gewann die Berlinerin Julia Fischer mit 63,59 Metern Metern vor Anna Rüh aus Neubrandenburg (62,53). Dritte wurde Nadine Müller (Leipzig/62,50), die in Doha am Vorabend Zweite geworden war - und mit Storl den Nachtflug nahm.