Magdeburg l Auch zweimal darüber schlafen reichten Yul Oeltze offensichtlich nicht, um den Kopf wieder hochzubekommen. Am Dienstagmittag hatte der Canadierfahrer vom SC Magdeburg immer noch mit den "Nachwehen" des Weltcup-Wochenendes zu kämpfen. "Ganz ehrlich: An dieser Niederlage habe ganz schön zu knabbern. Aber es hilft ja nichts, sich einzugraben. Da muss ich jetzt irgendwie durch."

In Duisburg hatte sich der 23-Jährige zusammen mit seinem Partner Ronald Verch aus Potsdam - beide im Vorjahr bei der WM mit Bronze dekoriert -im internen Kampf um ein WM-Ticket im C2 über 1000 Meter seinem SCM-Teamkollegen Michael Müller geschlagengeben müssen. Der 22-jährige Magdeburger, wie Oeltze ein Rechtspaddler, war mit Peter Kretschmer (Potsdam) der nationalen Konkurrenz nicht nur eine Nasespitze, sondern um eine ganze Bootslänge voraus gewesen. "Das muss man neidlos anerkennen, die beiden waren klar vorn. Sie harmonieren perfekt, das Boot rutscht einfach besser als unseres, obwohl wir physisch stärker sind", stellte Oeltze den schon rein optisch erkennbaren Vorteil des Zweiers Müller/Kretschmar heraus.

Das ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass diese beiden erst seit vier Wochen in einem Boot sitzen. "Aber wenn es passt, dann sieht man das sofort. Und ,Kretsche` ist nicht umsonst Olympiasieger im C2. Schon nach dem ersten Test in Kienbaum haben Ronald und ich geahnt, das wird eng für uns", gesteht der WM-Dritte, der sich mit Verch von Anfang an in dieser Saison gequält habe - so auch beim EM-Bronze Anfang Mai in Racice. "Auch da mussten wir richtig hart arbeiten, nichts ging von alleine."

Ein kleiner Trost sei für ihn, "dass es mit \'Micha\' trotzdem ein Magdeburger ins WM-Team geschafft hat". Auch das Weltcup-Gold über die 5000 Meter lindert den Schmerz ein wenig. Dennoch muss Oeltze sich damit abfinden, in dieser Saison kleine Brötchen zu backen und auf die nichtolympischen Strecken ausweichen. Auch wenn ihm klar ist, dass mit Blick auf Olympia 2016 in Rio nunmehr Müller/Kretschmer alle Trümpfe in der Hand haben. "Doch das ist Zukunftsmusik, die Saison 2015 ist noch nicht vorbei. Ich muss mich jetzt erst einmal auf die Alternativen konzentrieren." Soll heißen: Beim Weltcup am Wochenende in Kopenhagen fahren Verch und er den Zweier über 500 sowie 200 Meter, dazu kommt der Start im Einer über 500 Meter.