Zürich (dpa) l Die Fifa steht nach der Festnahme von Top-Funktionären am Pranger. Eine Mehrheit für Joseph Blatter bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen scheint zumindest nicht mehr garantiert.

In mehreren Sitzungen berieten Vertreter verschiedener Konföderationen am Donnerstag über ihre Strategie vor dem für Freitag geplanten Urnengang. Mit Spannung wurde das Treffen der 53 stimmberechtigten UEFA-Mitglieder am frühen Nachmittag in Zürich erwartet.

UEFA stellt sich verstärkt gegen Blatter

Blatter sagte angesichts der aktuellen Ereignisse alle geplanten Auftritt vor der offiziellen Kongress-Eröffnung ab. Kritik bekam der Weltverband von mehreren seiner Sponsoren. Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte "rasche und sofortige Maßnahmen" an, um die Probleme innerhalb der Fifa zu beheben. "Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden", teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Auch der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betonte in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. "Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte."

Zudem hatte sich die Spitze des europäischen Dachverbandes UEFA in bislang nicht gekannter Deutlichkeit gegen Blatter positioniert und eine Verschiebung des Kongresses samt Wahlen gefordert. Ein Boykott der Veranstaltung im Züricher Hallenstadion wurde als Möglichkeit in Erwägung gezogen. Nach den Fifa-Statuten könnte der Kongress aber auch ohne die europäischen Mitglieder stattfinden.

Außerdem hat UEFA-Präsident Michel Platini für den Fall eines Wahlsiegs von FIFA-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte der Franzose in Zürich.

Asiatisches Treuebekenntnis zu Blatter

Unterstützung bekommen die Blatter-Gegner auch aus anderen Kontinentalverbänden. Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation CONMEBOL bei internen Gesprächen am Donnerstag ihr Wahlverhalten ernsthaft überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der UEFA und der CONCACAF-Zone aus Nord und Mittelamerika gesucht werden.

Die asiatische Konföderation AFC erneuerte am Donnerstag ihr Treuebekenntnis zu Blatter. In einem Statement hieß es: "Die Asiatische Fußball-Konföderation drückt ihre Enttäuschung und Trauer über die Ereignisse vom Mittwoch in Zürich aus, lehnt eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen am Freitag aber ab." Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, "Fifa-Präsident Joseph S. Blatter zu unterstützen". Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen.