Was hat Sie bewogen, mit gerade mal 31 Jahren das arbeitsintensive wie verantwortungsvolle Ehrenamt als Leichtathletik-Abteilungsleiter beim SCM zu übernehmen?

Stefan Rösler: Ich stamme aus einer in Staßfurt beheimateten sehr sportbegeisterten Familie. Mein Vater war DDR-Badmintonmeister und hat mich 1992 bei Concordia Staßfurt zur Leichtathletik gebracht. Man nannte mich, weil ich nicht der Größte war und wegen unserer Trikots in den grünen Vereinsfarben, den "grünen Blitz". Bald wurde der SC Magdeburg auf mich aufmerksam. Ich wechselte an die Magdeburger Sportschule und kam ins Internat, was mir sehr guttat. Wegen eines Muskelfaserrisses musste ich 2002 meine Spikes an den Nagel hängen, wollte aber meinem SCM treu bleiben. Edgar Miethe, der damalige Abteilungsleiter, sagte zu mir: ,Du kennst dich doch mit Computern aus.` Über die Vereinsjugend und die Öffentlichkeitsarbeit übertrug man mir 2008 die kommissarische Abteilungsleitung. Als 2013 eine neue Abteilungsleitung gewählt wurde, fragten mich viele ,Warum nicht Du?`. Ich nahm die Wahl an.

Sicher mit der Folge, dass damit eine Unmenge von Fragen und Problemen auf Sie einströmte?

Das kann man laut sagen.

Und die wären?

Zurzeit suchen wir neue Übungsleiter. Aber das geht wohl jeder unserer Abteilungen so. Dank unseres Wettkampfwartes Lothar Janas ist es uns gelungen, junge ehemalige Athletinnen und Athleten dafür zu gewinnen. Erst kürzlich hat zum Beispiel meine ehemalige Sportlerin Chantal Fiedler (15) ihre Übungsleiter-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Sie wird demnächst eine eigene Trainingsgruppe übernehmen.

Wie sieht es mit einer eigenen Wettkampfstätte, dem Leichtathletik-Stadion, aus?

Das Leichtathletik-Stadion neben der MDCC-Arena ist in einem beklagenswerten Zustand. Es müsste eigentlich geschlossen werden. Nachdem wir aber mit dem Argument ,Rio 2016 ist in Gefahr` unseren Joker gezogen haben, wurde uns jetzt von der Stadt Magdeburg versprochen, dass Ende August/Anfang September Baubeginn sein soll.

... und die Trainerschaft?

Noch sind wir relativ gut aufgestellt. Doch gehen demnächst die Wurftrainer Klaus Schneider und Armin Lemme in Rente. Ich hoffe, dass wir zumindest eine Stelle retten können.

Auch beim SV Halle wird Leichtathletik betrieben. Wie fällt der Vergleich aus?

Der SV Halle rüstet mit hauptamtlichen Trainerstellen auf und versucht, Anschluss an den SCM zu finden. Aber bei uns sind Klaus Lindner und Andreas Kühne ehrenamtlich in den Altersklassen 11 bis 14 tätig. Mit dem Erfolg, dass der SCM seit Jahren den Mehrkampfpokal gewinnt.

Kürzlich hatten Sie kritisiert, dass gemäß eines Beschlusses des Leichtathletik-Verbandes Sachsen-Anhalt bis zum Alter von zehn Jahren nicht mehr klassische Leichtathletik trainiert werden darf.

Das geht nach hinten los. Das ist international betrachtet ein Widerspruch. Nur mit Büchsenwerfen und Sackhüpfen ist kein Blumentopf zu gewinnen, denkt man daran, dass es bereits für die Altersklasse 15 Weltmeisterschaften gibt.

Gibt es angesichts der Vielzahl an Problemen für die Leichtathletik auch Lichtblicke?

Aber ja! Zum Beispiel bei der Gewinnung von talentierten Nachwuchssportlern. Generell hat die Mehrzahl der Vereine Angst, ihre Top-Athleten zu verlieren. Wir nutzen schon die Möglichkeit, bei Wettkämpfen sehr gute Sportlerinnen und Sportler anzusprechen und für den SCM zu begeistern. Und hier bewegt sich was, wie die gute Zusammenarbeit mit den Leichtathletik-Abteilungen in Burg, Genthin und Havelberg beweist. Zum anderen konnten wir mit unserer Aktion "Flinke Socke Machdeburch" rund 1000 Magdeburger Schüler der ersten bis vierten Klassen in einem 30-Meter-Sprint testen. Das Ranking haben wir im Internet veröffentlicht, und den Sieger in jeder Klassenstufe zeichneten wir mit der "grün-roten Socke" aus.

Nun hat aber auch der Landessportbund nachgezogen - wie?

Alle Schüler der dritten Klassen sollen im kommenden Schuljahr einen leichtathletischen Dreikampf absolvieren. Es ist vorgesehen, dass die Schüler zum Schuljahresende eine sportliche Laufbahn-Empfehlung erhalten.

Wie sind die SCM-Leichtathleten für Rio 2016 aufgestellt?

Martin Wierig, Eric Krüger, Janin Lindenberg, Matthias de Zordo, Varg Königsmark und Matthias Lindner gehören dem erweiterten Olympiakader an. Alle sechs sollten sich für Rio qualifizieren - und dann muss man sehen. Viel zu wenig publiziert wurde die Tatsache, dass unsere Abteilung im vergangenen Jahr gemessen an internationalen Erfolgen hinter Leverkusen, Wattenscheid und Frankfurt/Main die viertbeste in Deutschland war. Fakt ist, wir sind das Aushängeschild in Sachsen-Anhalt und im Osten der Bundesrepublik.