Burg. Burg hat einen Weltmeister. "Das ist eigentlich unfassbar, wir haben nie damit gerechnet", sagt der Weltmeister Andreas Bredau selbst, obschon dem Vierer von Saisondebütant Manuel Machata nach dem Gewinn des Gesamtweltcups eine große Favoritenrolle zugestanden werden musste. Dieser ist das Team, zu dem am Wochenende außerdem Richard Adjei und Christian Poser (alle SC Potsdam) gehörten, nicht nur gerecht geworden: Den Titel in Königssee gewann es mit 52 Hundertstelsekunden Vorsprung. Das ist im Bobsport eine Welt - und nach dem Europameisterschaftserfolg im Januar der größte Erfolg in der Anschieber-Karriere des Burgers Bredau.

Sie mussten sich am Sonntag nach dem Sieg auch nicht mehr disziplinieren. Nach dem vierten WM-Lauf und dem letzten Ritt der Saison durch den Eiskanal durften Machata und Co. ausgiebig feiern. In der Tanzbar des Berchtesgardener Vier-Sterne-Hotels "Zum Rauchkuchl" sollen ausreichend Tequila und einige Caipirinha geflossen sein, bestätigt Bredau Medienberichte. Der 26-Jährige selbst stieg noch einmal auf das Podest zu nächtlicher Stunde, gesellte sich zum DJ und bedankte sich bei seinem Team, dem von Karl Angerer und dem um Bundestrainer Christoph Langen für diese überragende Saison.

Und trotzdem lief es für den Machata-Schlitten im Eiskanal nicht nur optimal. "Über die Startzeiten lässt sich streiten, aber wir haben die Geschwindigkeit oben super mitgenommen", berichtet Bredau. Aber "wenn du dann trotzdem Weltmeister geworden bist, dann fragt niemand mehr danach". Und das Team wusste, dass es nur noch auf jenen dritten Start am Sonntag ankommen würde, in der Nacht zuvor hatte es in Königssee geschneit. Als es auch danach immer noch auf WM-Kurs lag, "mussten wir den vierten Lauf nur noch vernünftig runterbringen". Vernünftig war für die Konkurrenz viel zu schnell.

Gestern war Bredau bereits auf der Heimfahrt nach Halle, ganz allein auf Erholung kann er sich allerdings nicht konzentrieren. Laut dpa wartet zu Hause Freundin Claudia Nystad, Langlauf-Olympiassiegerin von 2010 im Teamsprint - aber Bredau redet nicht über Privates.

Zunächst stehen weitere Veranstaltungen an, vom SC Potsdam wurde er eingeladen, Sponsoren wollen ihn sehen. "Dann kann ich den Erfolg genießen." Auch in Burg, wenn er irgendwann zwischen und nach den Terminen die Familie in den Arm nehmen kann - vielleicht auch schon "Ende dieser Woche".