Power in Paris: Die deutschen Leichtathleten haben beim großen Finale der Hallensaison noch einmal mächtig aufgetrumpft und sich für die Sommer-WM selbst Mut gemacht. Die "Flugstaffel" der Stabhochspringerinnen steuerte am Schlusstag der Europameisterschaften noch einmal zwei Medaillen zum hervorragenden Mannschaftsresultat bei. Silke Spiegelburg (Leverkusen) holte gestern mit 4,75 Meter Silber, Kristina Gadschiew (Zweibrücken) als Dritte mit 4,65 bereits die zehnte Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) - Bilanz von 2009 in Turin eingestellt.

Paris (dpa/dh). Und in dieser Bilanz taucht auch der Name Josephine Terlecki auf. Innerhalb von zwei Tagen hat sie ihre persönliche Bestleistung zweimal gesteigert. Einer 18,01 Meter im Vorkampf folgte eine 18,09 Meter im Finale, und mit jener Weite hat die Kugelstoßerin vom SC Magdeburg in Paris die Bronzemedaille gewonnen. "Da ist man schon ein bisschen stolz", wollte ihr Trainer Klaus Schneider auch gar nicht seine Freude verhehlen. Schon vor dem Start in die Hallensaison hatte der Coach 18-Meter-Stöße der 25-Jährigen gefordert. Und nun "hat sie die Gunst der Stunde genutzt", erklärte Schneider. Im nationalen Vergleich musste sie nur Christina Schwanitz (Thum), die mit 18,65 Metern Zweite wurde, ziehen lassen. Aber Schwanitz befindet sich auf dem besten Wege, zu ihrer einstigen Bestform zurückzufinden. Zudem "hat Sophie Kleeberg (Thum) einen ordentlichen Wettkampf abgeliefert", resümierte Schneider. Kleeberg wurde Sechste mit 17,63 Metern.

Beim Verband stellte sich ob dieses Abschneidens Freude ein, denn mit ihm einher geht die Hoffnung, auch in Zukunft "international konkurrenzfähig zu bleiben". Terlecki hat dazu ihr "deutliches Zeichen" gesetzt, so Schneider. "Das Filetstück waren die Kugelstoßer", urteilte sogar DLV-Cheftrainer Herbert Czingon, nachdem Ralf Bartels (Neubrandenburg) und David Storl (Chemnitz) Gold und Silber geholt hatten.

Mit ihrem fünften Platz hat Janin Lindenberg ihr Leistungsvermögen ebenfalls bestätigt. Trainer Marco Kleinsteuber war "sehr zufrieden" mit dem Abschneiden seines Schützlings, der die finalen 400 Meter in 52,60 Sekunden absolviert hatte. Lindenberg selbst "hatte sich etwas mehr erhofft", wusste Kleinsteuber, aber in Anbetracht ihres "ersten Turniers bei den Erwachsenen überhaupt war der fünfte Platz völlig in Ordnung". Auch die Zeit. Nach den 52,26 Sekunden bei ihrem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften war es "die zweitschnellste Zeit in der Halle", dies sieht Kleinsteuber als weiteres positives Signal. "Janin hat sich gigantisch entwickelt, seitdem sie in Magdeburg trainiert. Ich denke, wir werden noch viel Freude an ihr haben." Kleinsteubers Wunsch, Lindenberg könnte mit einer Medaille zurückkehren, erfüllte sich indes nicht. Mit der 4x400-Meter-Staffel kam sie gestern auf Platz fünf.

"Das Resultat ist wirklich hervorragend. Dabei fehlte uns am Schlusstag manchmal nur das Quentchen Glück. Mit zehn Medaillen und 97 Nationenpunkten hat die Nationalmannschaft hier großes Potenzial bewiesen", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. "Für die WM in diesem Jahr und Olympia 2012 sind wir auf dem richtigen Weg." Von den 35 DLV-Startern standen 80 Prozent im Halbfinale oder Finale.

Doppel-Gold gab\'s für eine Mannheimer WG: Innerhalb von 24 Stunden setzte das Leichtathletik-Traumpaar Carolin Nytra (Hürdensprint) und Weitspringer Sebastian Bayer zwei Glanzlichter. Stabartist Malte Mohr war nicht ganz zufrieden, obwohl er eine glänzende Hallensaison hinter sich hat und in Paris mit 5,71 Meter Bronze holte. Als einziger aus dem Münchner Männer-Trio katapultierte sich Mohr aufs Siegerpodest. Dafür überraschte 400-Meter-Mann Thomas Schneider nach einer taktischen Meisterleistung mit einer nicht eingeplanten Silbermedaille.