Joachim Löw bleibt mit seinen Seriensiegern auf dem Express- weg zur Fußball-EM - jetzt kann der Bundestrainer in aller Ruhe die nächsten Kandidaten für die Titelmission 2012 testen. Mit der optimalen Anzahl von 15 Punkten aus fünf Qualifikationsspielen im Gepäck zog die Nationalmannschaft am Sonntag nach Düsseldorf weiter.

Düsseldorf/Kaiserslautern (dpa). Morgen (20.45 Uhr) steht in Mönchengladbach das Freundschaftsspiel gegen die "Socceroos" aus dem fernen Australien auf dem Programm. "Wir haben die maximale Punktausbeute, haben 17 Tore erzielt. Das Soll ist mehr als erfüllt", erklärte der Bundestrainer nach dem deutlichen 4:0-Sieg im EM-Ausscheidungsspiel gegen Kasachstan in Kaiserslautern.

Schon beim nächsten Doppelspieltag Anfang Juni in Öster- reich und Aserbaidschan könnte für den WM-Dritten Deutschland das EM-Ticket perfekt sein. Dafür müsste bei eigenen Siegen in der Gruppe A die Türkei gegen die anderen Verfolger Belgien und Österreich remis spielen. Manager Oliver Bierhoff ist auf der Suche nach dem EM-Quartier schon weit: Es wird in Polen liegen, nicht in der Ukraine.

Löw plant erst einmal für den Test gegen Asien-Vizemeister Australien. "Da können wir ein bisschen variieren und einige Dinge verändern", kündigte der 51-Jährige an. Das Real-Duo Mesut Özil und Sami Khedira darf sich angesichts der weiteren hohen Belastung in Madrid eine Erholungspause gönnen. Am Sonntag entschied Löw, auch auf Kapitän Philipp Lahm zu verzichten. Mats Hummels (Dortmund) und André Schürrle (Mainz) bekamen bereits die Startelf-Garantie.

Weitere Änderungen sind möglich: Der Wolfsburger Arne Friedrich hatte schon gegen Kasachstan auf sein DFB-Comeback gehofft. Im Tor lässt Löw bei Freundschaftsspielen auch gern rotieren, der Bremer Tim Wiese steht für seinen vierten DFB-Einsatz bereit. Und vom Dortmunder Linksverteidiger Marcel Schmelzer als Alternative für den Hamburger Dennis Aogo erwartet Löw, "dass er einen Schritt weiterkommt".

Gestern hatte sich im Lager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch der Ärger über die Pfiffe einiger Fans in Kaiserslautern wieder abgeschwächt. "Man muss die Fans immer akzeptieren", erklärte Lahm zu den Unmutsbekundungen des Publikums, das sich von Özil und Co. im mit 47 849 Zuschauern ausverkauften Fritz-Walter-Stadion auch in Hälfte zwei noch mehr Esprit und noch einige Tore mehr gewünscht hätte.

"Ich finde es nicht fair gegen den einzelnen Spieler und die Mannschaft", sagte Mittelmann Khedira, der wie Özil und Lahm nicht mehr mit dem Bus nach Düsseldorf fuhr, sondern den von Löw verordneten Kurzurlaub zu einem Heimatbesuch bei der Familie nutzte.

Löw empfand die Pfiffe vor allem gegen die Münchner Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez als "äußerst negativ". Als unersetzbare Größe hätte auch Dauerbrenner Schweinsteiger nach den hohen Belastungen seit der WM einmal das Recht, "ein Spiel zu machen, was nicht ganz auf seinem Niveau abläuft", betonte Löw. "Es ist klar, die Ansprüche und Erwartungen sind gewachsen aufgrund unserer Spiele zuletzt. Da wird erwartet, dass man jeden Gegner mit 6:0, 7:0 oder 8:0 nach Hause schickt. Das ist natürlich nicht möglich."

Gegen die harmlosen Kasachen, die sich fast ausschließlich auf Verteidigen und Zerstören konzentrierten, hatte Miroslav Klose schon nach drei Minuten den Torreigen eröffnet. Sein Bayern-Kollege Thomas Müller (25./43.) und nochmals Klose (88.) sorgten für den Endstand. Der 32-jährige Klose ist mit jetzt 61 Länderspieltoren nur noch sieben Treffer vom nationalen Torerekord von Legende Gerd Müller entfernt. "Jetzt bin ich so weit gekommen, da will ich auch ganz nach vorne", sagte der gebürtige Pole nach dem Spiel. Mit dem "Bomber der Nation" hat Klose schon gesprochen: "Er wäre nicht böse."

"In der zweiten Halbzeit sind wir nicht mehr das ganz hohe Tempo gegangen", analysierte Löw die Partie gegen den Weltranglisten-132. Kasachstan, die nicht gerade als Höhepunkt in die deutsche Länderspiel-Geschichte eingehen wird. "Was wir uns vorwerfen müssen, ist, dass wir einige Chancen unklar gespielt haben", gab Klose zu. Das kann nun gegen Australien geübt werden.

Möglicherweise verändert Löw sein zuletzt bevorzugtes System mit nur einem Stürmer auf zwei Spitzen, um neben dem neuen "Bomber" Klose auch dem nachdrängenden Gomez eine Chance zu geben. "Das gibt es immer mal, dass man auf ein 4-4-2-System umstellt, wenn man zwei solche Topstürmer hat", erklärte Löw.

Weiter warten auf eine Chance muss der Kapitän außer DFB-Dienst, Michael Ballack. Löw will nun im kommenden Monat den 34 Jahre alten Leverkusener treffen, nachdem er schon "das eine oder andere Mal" mit ihm telefoniert hat. "Ich freue mich, dass er zuletzt den einen oder anderen Einsatz mehr hat", sagte Löw im ZDF über Ballacks Entwicklung in Leverkusen. Jetzt werde man "in Ruhe überlegen, was zu tun ist. Es geht nicht nur ums Alter, sondern es geht auch darum, welche Leistung er noch imstande ist zu bringen."

Deutschland: Neuer (FC Schalke 04/24 Jahre/17 Länderspiele) - Lahm (Bayern München/27/77), Mertesacker (Werder Bremen/26/75), Badstuber (Bayern München/22/10), Aogo (Hamburger SV/24/5) - Khedira (Real Madrid/23/19), Schweinsteiger (Bayern München/26/86 - 78. Kroos/Bayern München/21/14) - Müller (Bayern München/21/14 - 78. Götze/Borussia Dortmund/18/3), Özil (Real Madrid/22/23), Podolski (1. FC Köln/25/85 - 65. Gomez/Bayern München/25/42) - Klose (Bayern München/32/107)

Kasachstan: Loria (Irtysch Pawlodar/30/38) - Tschitschulin (FK Aktobe/26/24), Abdulin (Wostok Oskemen/28/18), Tschernyschow (Irtysch Pawlodar/30/2), Irismetow (Ordabassi Schymkent/29/35) - Nurdauletow (Lokomotive Astana/28/15) - Konysbajew (Lokomotive Astana/21/2), Geterijew (Tschemtschoschina Sotschi/25/4 - 81. Ostapenko/Schetissu Taldykorghan/25/24), Schumaskalijew (Lokomotive Astana/29/54 - 46. Baischanow/Schachtjor Karaganda/26/12), Nurgalijew (Ordabassi Schymkent/24/11 - 60. Kukejew/Schachtjor Karaganda/22/21) - Chischnitschenko (Schachtjor Karaganda/19/11)

Zuschauer: 47 849 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Stavrev (Mazedonien) Tore: 1:0 Klose (3.), 2:0 Müller (25.), 3:0 Müller (43.), 4:0 Klose (88.). Gelb: Irismetow

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