Köln (SID). Festtagsstimmung bei Frankfurt, Tränen bei Turbine: Nach dem 2:1 (1:1) im DFB-Pokalfinale der Frauen gegen Turbine Potsdam bewiesen die einst so erfolgsverwöhnten Fußballerinnen des 1. FFC Frankfurt, dass sie das Feiern trotz der knapp dreijährigen Durststrecke ohne Titel nicht verlernt hatten.

Ausgelassen singend und tanzend begoss der Vizemeister in der VIP-Lounge des Kölner Stadions seinen Triumph gegen den Erzrivalen, gegen den die Hessinnen in den vergangenen drei Spielzeiten in der Meisterschaft immer das Nachsehen hatten. "Ich bin überglücklich und stolz", sagte Sven Kahlert, der im Oktober 2009 beim Bundesliga-Krösus (Etat 1,5 Millionen Euro) das Traineramt übernommen hatte, nachdem der Klub nach dem Triple 2008 unter dem neuen Coach Günter Wegmann den hohen Ansprüchen hinterherlief. "Ich freue mich vor allem für den Verein, und dass ich das Vertrauen zurückzahlen konnte", äußerte Kahlert.

Auch FFC-Manager Siegfried Dietrich genoss die Revanche: "Jetzt schmerzt auch die um einen Punkt verpasste Meisterschaft nicht mehr. Wir haben in dieser Saison den schönsten Fußball gezeigt und die Champions-League-Qualifikation geschafft." Zudem versüßen 90 000 Euro Pokalprämie plus Sponsorengelder den achten Pokal-Triumph des Rekordsiegers und -meisters, dessen Party am Sonntagnachmittag auf Einladung von Oberbürgermeisterin Petra Roth am Römer seine Fortsetzung fand. Bei Turbine dagegen flossen nach dem verpassten Double Tränen der Enttäuschung - zumal der deutsche Meister auch noch Pech hatte.

Nach den Frankfurter Treffern durch Svenja Huth (15.) und Kerstin Garefrekes (48.) und dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Yuki Nagasato (42.) hatte Schiedsrichterin Christina Jaworek ein Freistoßtor durch Jennifer Zietz (59.) wegen eines vermeintlichen Fouls von Babett Peter an FFC-Torfrau Nadine Angerer nicht gegeben. Die Nationaltorhüterin gestand: "Ich lag am Boden, als der Pfiff ertönte und dachte: ¿Gott sei Dank!\' Wenn du als Torwart so ein Gefühl hast, weißt du, dass etwas nicht stimmt. Ich denke, dass es ein reguläres Tor war."

Trotz der umstrittenen Szene zeigte sich Potsdam als fairer Verlierer. "Das war sicher unglücklich für uns, weil man sich dann fragt, was wäre gewesen, wenn. Aber wir leben nicht im Konjunktiv. Frankfurt war heute das eine Tor besser", so Trainer Bernd Schröder. Auch Zietz gab zu: "Frankfurt war cleverer und hat unsere Fehler eiskalt ausgenutzt."

Der DFB zog nach der zweiten Auflage des eigenständigen Frauen-Finals angesichts von 20 312 Zuschauern eine positive Bilanz. "Es war trotz der niedrigen Temperaturen eine traumhafte Kulisse, die positiven Eindrücke der Premiere haben sich bestätigt", sagte DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Im Vorjahr hatten 26 282 Zuschauer für einen Europarekord bei einem Frauen-Spiel auf nationaler Vereinsbene gesorgt. Nun wird der DFB-Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball die Frage erörtern, ob es bei der Trennung von den Männern und beim Standort bleibt.

Die Spielerinnen plädieren für Kontinuität. "Köln hat zwei sehr gute Endspiele ausgerichtet", sagte Birgit Prinz, "ich als Frankfurterin hätte zwar nichts gegen ein Finale in Frankfurt, aber eigentlich sehe ich keinen Grund, aus Köln wegzugehen." Selbst Skeptikerin Angerer ist überzeugt: "Ich hielt die Idee für größenwahnsinnig. Aber hier war eine fantastische Stimmung. Jetzt bin ich pro Köln, auch wegen der Mentalität hier - die Kölner lieben einfach den Fußball."

Während sich die Potsdamerinnen nun auf die erfolgreiche Titelverteidigung in der Champions League hoffen, wo Turbine im Halbfinale im deutschen Duell auf den Meisterschaftsdritten FCR Duisburg trifft, dürfen die FFC-Nationalspielerinnen vor der Mitte April beginnenden Vorbereitung auf die Heim-WM (26. Juni bis 17. Juli) noch einmal abschalten - oder abtauchen wie "Natze" Angerer: Die 32-Jährige belohnt sich mit einem zweiwöchigen Tauchurlaub.