Magdeburg. Nachdem sich der Pulverdampf des Box-WM-Skandalkampfes von Magdeburg ein wenig verzogen hat, zeichnete sich gestern folgendes Bild ab: Dem Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) liegt inzwischen ein offizieller Bericht über die von Herausforderer Khoren Gevor ausgelösten turbulenten Vorfälle vor.

BDB-Delegierter Jean-Marcel Nartz zur Volksstimme: "Ich habe die Empfehlung einer empfindlichen Strafe abgegeben. In dem Alter, in dem Gevor ist (31, d.Red.), kann das nur lebenslänglich bedeuten."

Das Gevor-Lager hat unterdessen seine "Sticheleien und Stänkereien" (Nartz) fortgesetzt. "Zum 100. Mal wurde ich in Deutschland bei einem WM- Kampf beschissen und benachteiligt", sagte der Armenier dem Internetanbieter Figosport. "Langsam reicht es." Sein Gegner Robert Stieglitz habe "mit unfairen Mitteln geboxt", versuchte er, seine Disqualifikation zu rechtfertigen. "Er fällt und zieht mich mit. Da ist er selbst schuld." Zu seinem am Boden mit brutaler Wucht ausgeführten Kopfstoß, der die Disqualifikation herbeiführte, schwieg er allerdings.

Die Medien, behauptete er, "drehen alles um 360 Grad". Er werde "nie wieder auch nur einen Fuß nach Magdeburg" setzen.

Eine Entschuldigung für seinen Amoklauf liegt von Gevor bisher nicht vor. Er und sein Manager Peter Schulze waren vor allem damit aufgefallen, dass sie wirre Gedanken über angeblich vergiftetes Essen im Hotel geäußert und auch dem offiziellen Fahrdienst unlautere Dinge unterstellt hatten. Nartz: "Ich habe dem Verband empfohlen, Schulze die BDB-Lizenz zu entziehen."

SES-Veranstalter Ulf Steinforth ("So hatten wir uns das Ende der Veranstaltung nicht vorgestellt") ist unterdessen bereits wieder zu Tagesordnung übergegangen: "Wir haben in den nächsten Wochen und Monaten so viel neue Projekte mit unseren Boxern vor." Erfreut zeigte er sich über die TV-Quote (3,66 Millionen Zuschauer, mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent). Das wird bei SES auch die Hoffnungen auf einen neuen Vertrag mit Sat.1 - der alte war am Sonnabend ausgelaufen - befeuert haben. Steinforth vieldeutig: "Alle sind superglücklich mit der Quote."

Das sah man gestern offenbar auch beim Münchner Privatsender so. Sportchef Sven Froberg: "Die Entwicklung der Zuschauerzahlen ist sehr erfreulich. Im Vergleich zum ersten Kampf von Stieglitz in Sat.1 haben wir die Aufmerksamkeit deutlich erhöht und einen großen Quoten-Schritt gemacht. Die Vorkommnisse nach dem Kampf haben natürlich mit Sport überhaupt nichts zu tun. Das will niemand sehen und schadet dem Boxsport."