Rostock (dpa). Heiner Brand ist genervt, zumindest leicht. Auch wenn "Mr. Handball" gemäß seiner guten Kinderstube die Contenance bewahrt, ist offensichtlich: Den ständigen Fragen nach seiner Zukunft als Männer-Bundestrainer würde der 58-Jährige am liebsten aus dem Weg gehen. Doch Brand stellt sich. Mit einer Portion Ironie und dem Wissen, er alleine entscheidet über seinen weiteren Weg. "Ich bin topfit. Ich habe viel trainiert, bin geistig auf der Höhe. Es ist also alles okay", antwortete Brand am Samstag auf die Frage nach seinem persönlichen Wohlbefinden. Weitere Nachfragen unerwünscht.

Das war alles, was sich Brand in der Causa "Bleibt er oder geht er" entlocken ließ: "Mehr will ich nicht sagen." Aber wenn man den Weltmeister-Coach beobachtet, scheint es nur eine Interpretation seiner Körpersprache zu geben: Bald ist Schluss, die Ära Brand auf der Bank der Nationalmannschaft nach über 13 Jahren Geschichte. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Bundestrainer gestern beim 32:30 (17:17)-Testspielsieg gegen Norwegen, für das der Magdeburger Stian Tönnesen zum Einsatz kam, in Schwerin und tags zuvor in Rostock (33:25) von den Fans einmal mehr am lautstärksten gefeiert wurde. Zumindest kündigte Brand eine zeitnahe Entscheidung an. "Vielleicht passiert es schon im Mai", sagte der Gummersbacher, der im Januar nach dem WM-Debakel mit Platz elf eigentlich schon vor dem Absprung stand. Doch angesichts der wichtigen Entscheidungsspiele in der EM-Qualifikation entschied er sich gegen seinen sofortigen Abschied und macht erst mal bis 30. Juni weiter.

Der Bundestrainer hat seinen Fokus auf die entscheidenden Spiele in der EM-Qualifikation am 8. Juni gegen Österreich und vier Tage später gegen Lettland gerichtet. Drei Punkte reichen, um sich für die EM 2012 in Serbien zu qualifizieren. Das muss klappen, denn die EM ist die letzte Chance auf ein Olympia-Ticket für 2012.

Dass bei den Tests gegen Norwegen in Pascal Hens, Sebastian Preiß, Christian Sprenger, Uwe Gensheimer, Holger Glandorf und Michael Kraus gleich sein ganzer Stamm-Sechser fehlte, machte Brand nicht glücklich. Aber wichtige Erkenntnisse gewann er dennoch. "Es macht Spaß, nachrückende Leute zu sehen, die mit Stolz und Leidenschaft dabei sind. Das kann auch ein Fingerzeig für die Zukunft sein", meinte Brand. "Einige der Spieler werden auch gegen Österreich dabei sein. Von daher machten die Spiele Sinn."