Köln. Rudertrainer müssen laut und kraftvoll brüllen können, obwohl sich womöglich einige ihrer Zunft mit der Frage nach dem Sinn ihrer Schreie beschäftigen. Manche Athleten wollen vielleicht oder können gar nicht alles verstehen, was ihnen so vom Ufer aus auf der 2000 Meter langen Distanz zugerufen wird. Roland Oesemann ist am Wochenende viel geradelt entlang des Fühlinger Sees in Köln, er hat viel gebrüllt, oder wie der Coach des SC Magdeburg selbst einschätzt: "Zumindest bin ich heiser."

Heute wird es dagegen ganz ruhig sein, wenn sich Oesemann mit Maximilian Planer und Marco Neumann zusammensetzt und die Dinge, die den Hünen beim ersten Leistungstest in Köln widerfahren sind, analysiert. Die kleinen Probleme unterschiedlicher Art summieren sich zu einem großen Prob-lem, das Oesemann so beschreibt: "Wir sind nicht da, wohin wir wollten." Platz 20 im Zweier ohne war dann der Beleg dafür, weit am Minimalziel B-Finale vorbeigefahren zu sein. Das hatte nicht nur den Trainer, sondern auch die Athleten enttäuscht. Planer, 20 Jahre, kann noch in der U 23 starten, Neumann nicht mehr. "Es gibt noch einzelne Ruderer", sagt Oesemann, die man mit dem 23-jährigen Neumann testen könne. Die nächsten Wochen sollen eine Antwort liefern auf die Frage nach der Zukunft des Bootes. Eine gemeinsame hänge jedenfalls davon ab, wie kritisch Planer und Neumann mit dem Ergebnis von Köln umgehen, erklärt der Coach.

Einen kritischen Blick hatte auch René Bertram mit seinem Zweier-ohne-Partner Florian Eichner (HRV Böllberg) zumindest auf den Sonnabend geworfen. Da hatte es "von der technischen Umsetzung und der Kampfleistung her" nicht so gestimmt, sagt Betram. Im Zwischenlauf wurden sie Dritte mit einigem Rückstand, "aber man muss auch ehrlich sein, den ersten beiden sind wir noch nie davongerudert", erklärte der 29-Jährige.

So wurden Bertram und Eichner letztlich Sieger des B-Finales im Zweier ohne, aber das war mit Blick aufs Nationalteam vielleicht weniger interessant für Hartmut Buschbacher als die Leistung im Vierer ohne, die der Bundestrainer nach der Überprüfung zusammensetzte. Bertram und Eichner fuhren dort mit Toni Seifert (Leverkusen) und Sebastian Schmidt (Mainz), die im vergangenen Jahr Weltmeisterliches geleistet hatten im Achter in Neuseeland. "Den Jungs hat es jedenfalls gefallen", resümiert Bertram den zweiten Platz des Vierers mit nur drei Hundertstelsekunden Rückstand auf das Siegerboot. "Florian und ich besitzen für den Vierer Qualitäten, die andere noch suchen", erklärt Bertram deshalb selbstbewusst. Das wird auch der Bundestrainer so gesehen haben, wie er Platz sechs von Mathias Rocher im Einer gesehen hat - noch so eine Empfehlung aus Magdeburg.

In Erinnerung an Köln bleibt auch diese Dominanz von Marcel Hacker, den Magdeburger im Trikot der Rudergesellschaft Frankfurt/Main. Das Bild ist allerdings nicht neu, so stellt es sich im nationalen Vergleich jedes Jahr dar. Hacker, 33 Jahre, ist mit vier Sekunden Vorsprung auf den Zweiten im A-Finale ins Ziel gerudert, weil er ab Meter 1250 "noch mal richtig gearbeitet" hat, nachdem er zuvor nur mitgefahren war. Das war auch ein Selbsttest, wie weit Hacker gehen kann, wo seine psychologische Grenze liegt.

Am Startblock ist er dem Automatismus erlegen, seine Umgebung leise, aber offenkundig anzugähnen. Psychologie ist das nicht: "Das ist eine Form der Entspannung, um noch mehr Sauerstoff aufzunehmen", sagt Hacker. Er tankt die zweite Luft also vor dem ersten Schlag. Eine zweite Luft ist auch Planer und Neumann künftig zu wünschen.