Von Janette Beck

Magdeburg. Ein wenig abseits, aber "stolz wie Bolle" stand Mutter Manuela nach dem Sieg des SCM gegen Wetzlar auf dem Feld, beobachtete den Trubel um ihren Sohn Dario und fand es "ein wenig peinlich", dass Oma Quenstedt ihren Enkel gerade fast zu Boden knutschte. Doch der gefeierte Held des Abends, der für den verletzten Keeper Gerrie Eijlers in die Bresche gesprungen war und mit seinen 16 Paraden die Kastanien aus dem Feuer geholt hatte, ließ die überschwängliche Freude schmunzelnd über sich ergehen.

"Ich bin ja so froh, dass Dario so gut gehalten hat", freute sich derweil die Mutter über ihren Sohn, den sie extra eine Woche lang nicht angerufen hatte, "um ihn nicht verrückt zu machen vor dem Spiel" und nun mit selbstgemachten Rouladen gebührend belohnen würde.

Nun ja, verrückt war der 21-Jährige nicht gleich, "aber aufgeregter als sonst", gestand Quenstedt. "Als es losging, war mir richtig schlecht, und ich hatte das Gefühl, mich übergeben zu müssen." Es sei eben doch etwas "völlig anderes, die volle Verantwortung zu tragen". Bislang sei immer Eijlers als Nummer eins vorangegangen, "aber diesmal wusste ich: Auf dich ganz allein kommt es heute an."

Nach dem Abpfiff fiel die ganze Anspannung vom Youngster, der in der kommenden Saison zum TuS Nettelstedt-Lübbecke wechselt, ab. "Es war immer mein Traum, mal in einem Erstligaspiel für den SCM über die ganze Spielzeit hinweg im Tor zu stehen. Jetzt hat sich dieser Traum erfüllt, und mir fällt ein Riesenstein vom Herzen, dass es so gut gelaufen ist", so der gebürtige Burger, der "mit mulmigem Gefühl" beobachtet hatte, dass auch sein Gegenüber, HSG-Keeper Nikolai Weber, in Top-Form war und den SCM-Angreifern insgesamt sogar 21-mal den Schneid abkaufen konnte (darunter fünf gehaltene Siebenmeter).

SCM-Coach Frank Carstens lobte Quenstedt über den grünen Klee: "Dario hat das erste Mal zu Hause volle 60 Minuten gespielt, und das hervorragend. Er hat dem Druck standgehalten und vor allem in der zweiten Hälfte viele Bälle gehalten, die nicht einfach waren. Das war ein Punkt, warum wir uns dann doch absetzen konnten."