Mit dem in 234 Tagen ohne Liga-Schlappe gestählten Selbstbewusstsein starten die Handballer des HSV Hamburg in die "Wochen der Wahrheit". Zwar kann der designierte Champion heute (20.15 Uhr/live Sport 1) ausgerechnet im Prestigeduell bei Abonnements-Meister THW Kiel letzte Zweifel am ersten Titel-Coup beheben, doch das "M-Wort" kommt den Hamburgern noch nicht über die Lippen.

Kiel/Hamburg (dpa). Dagegen gratuliert THW-Coach Alfred Gislason den Hamburgern vorzeitig zum Titelgewinn. "Der HSV ist durch, das ist klar. Für uns geht es darum, Platz zwei zu sichern", sagte der Trainer des Rekordchampions in Hamburger Zeitungen.

Beim HSV (52:4 Punkte) bleibt man trotz des komfortablen Vorsprungs vor dem zweitplatzierten Titelverteidiger THW (47:11) hanseatisch zurückhaltend. "Wer rechnen kann, der weiß, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden ist. Wir haben noch sechs Spiele und müssen noch ein paar Punkte holen, um am Ende oben zu stehen", warnte Nationalspieler Pascal Hens. Gislason hingegen merkte selbstkritisch an: "Mit elf Minuspunkten hat man es nicht verdient, deutscher Meister zu werden."

Dass sich der nur am 1. Spieltag bei Frisch Auf Göppingen (30:32) besiegte Spitzenreiter den ersten Meistertitel noch entreißen lassen könnte, glaubt außerhalb des HSV aber wohl niemand. "Die Hamburger lassen sich das nicht mehr nehmen", urteilte Bundestrainer Heiner Brand. Der frühere Kieler und heute für Montpellier in Frankreich spielende Weltstar Nikola Karabatic meinte sogar: "Sollte Hamburg dieses Mal wieder nicht Meister werden, können sie wohl aufhören, Handball zu spielen." Er erwartet aber eher, dass sich die Kieler nun lieber auf den Pokal und die Champions League konzentrieren werden.

Ein Kämpfertyp wie Brand glaubt hingegen, dass die zuletzt zweimal in eigener Halle unterlegenen Kieler dem HSV beweisen wollen, dass eigentlich sie die Besten sind. "Diesen Stolz haben die Kieler", meinte Brand wohl nicht zu Unrecht. Denn der THW muss sich bei den eigenen Fans zumindest für die jüngsten Heimschlappen rehabilitieren.Insgeheim schielen die Hamburger, auf die am Samstag gegen Moskau in der Champions League und am 3. Mai gegen die Rhein-Neckar Löwen weitere dicke Brocken warten, doch schon in Richtung Meisterschale. "Wenn wir sie holen sollten, ist es mir vollkommen egal, wo gefeiert wird", sagte Hens. Ob der an der Schulter verletzte Nationalteam-Kollege Michael Kraus mitwirken kann, entscheidet sich erst am Mittwoch, hieß es aus Reihen der Hanseaten.Deren Titelgewinn wäre verdient, denn unter der Führung von Erfolgstrainer Martin Schwalb ist die nötige Konstanz eingezogen beim HSV, der über die lange Saison gesehen von allen Teams die wenigsten Schwächen gezeigt hat. "Die Meisterschaft beweist dir als Mannschaft, dass du konstant über 34 Spieltage gute Leistung gebracht hast und in dieser Saison das beste Team der weltweit wahrscheinlich stärksten Liga warst", so Hens. "Das ist schon eine wahnsinnige Auszeichnung."