Es war ein Offenbarungseid! Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg verlor am Sonnabend sein Heimspiel gegen Aufsteiger TSV Havelse nach katastrophaler Vorstellung völlig zu Recht mit 1:2 (0:1) und steht nun nur noch dank des besseren Torverhältnisses auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Magdeburg. Wer die trostlose Partie in der MDCC-Arena verfolgte, traute mit zunehmender Dauer seinen Augen nicht. Nur in der Anfangsphase vermochte der Club so etwas wie Druck aufzubauen. Doch nachdem die Gäste ihre Nervosität abgelegt hatten und mutiger wurden (Trainer Andre Breitenreiter: "Viele meiner jungen Spieler hatten noch nie in einem solchen Stadion gespielt und waren sehr beeindruckt"), ließen sie nicht mehr viel zu und hätten nach Kontertoren sogar höher als "nur" 2:1 - Tozlu (24.) und Beismann (71.) trafen - gewinnen können.

Wie schwach der FCM auftrat, belegt die Tatsache, dass es nicht gelang, sich innerhalb von 90 Minuten auch nur eine einzige zwingende Torchance zu erarbeiten! Erst als alles schon zu spät war, stellte der eingewechselte Maik Koschwitz in der Nachspielzeit per Kopf den 1:2-Endstand her.

Apropos Koschwitz: Trainer Sandhowe verhalf dem Stürmer aus der U23 (kam für Wolf) wie später auch noch Marcel Brendel zu ihren ersten Regionalligaeinsätzen, ließ dafür viertliga-erfahrene Leute wie Müller, Stiefel oder Instenberg auf der Bank. Sandhowes Begründung: "Ich musste etwas riskieren und Offensivkräfte einwechseln."

Doch es haperte nicht nur in der Offensive. Die gesamte Club-Mannschaft präsentierte sich extrem ängstlich und ideenlos, "glänzte" vor allem durch lange Bälle (die fast nie ankamen) und Alibipässe. Kapitän Daniel Bauer, diesmal notgedrungen in der Innenverteidigung, brachte es hinterher auf den Punkt: "Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden. Es ist immer das Gleiche. Dieser Mannschaft fehlt einfach die Qualität."

Sandhowe sprach von einer "Sch ...-Niederlage" und räumte ein, dass nach der Pause "keinerlei spielerische Linie zu erkennen war", betonte aber zugleich: "Wir stehen immer noch über dem Strich. Jetzt müssen wir eben am Freitag bei Türki-yemspor gewinnen."

In dieser Verfassung dürfte es aber selbst beim abgeschlagenen Schlusslicht kaum für einen Sieg reichen. Harsche Kritik am FCM übte Ex-FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann: "Saftlos, kraftlos, erfolglos! Es war kein Wille zu erkennen. So ist der FCM nicht mehr zu retten."

Erschwerend kommt hinzu, dass mit Vize-Kapitän Stephan Neumann, der noch zu den Zuverlässigsten gehört, sich am Sonnabend von der Verunsicherung aber ebenfalls anstecken ließ, nach 54 Minuten wegen einer Knieverletzung verletzt raus musste. Mit einer genaueren Diagnose dürfte erst heute zu rechnen sein.

Nach dem Abpfiff herrschte eine geradezu gespenstische Stimmung in der MDCC-Arena, waren wie noch zur Pause aber keine Pfiffe zu hören. Die Ultras verharrten gar auf ihren Plätzen und verabschiedeten die Akteure - der Großteil war "abgetaucht", von Sandhowe aber aufgefordert worden, das Spielfeld noch einmal zu betreten - mit kritischen, aber aufmunternden Worten und Gesängen.

FCM: Tischer - Saalbach (71. Brendel), Köhne, Bauer, Neumann (54. Georgi), Wijks, Becker, Rodrigues, Scharlau, Wolf (63. Koschwitz), Verkic

Havelse: Lucassen - Degner, Posipal, Smidt, Strunkey (39. Beismann), Tayar (89. Emektas), Holm, Tozlu, Habryka, Wetter (74. Kaya), Zimmermann

Schiedsrichter: Dietz (Kronach). Zuschauer: 5483. Tore: 0:1 Tozlu (24.), 0:2 Beismann (71.), 1:2 Koschwitz (90.+2). Gelb: Saalbach, Neumann, Brendel, Koschwitz / Strunkey, Habryka