Für Vereins-Urgestein Steffen Stiebler wäre es "ein schönes nachträgliches Geschenk" zum 40. Geburtstag, für Trainer Frank Carstens "eine weitere Überraschung" und für die treuen Anhänger des SCM wohl das Sahnehäubchen auf eine tolle Saison. Die Rede ist vom angestrebten Heimsieg des SC Magdeburg heute Abend gegen den Handball-"Überflieger" der letzten Jahre - den THW Kiel. Anpfiff für das Duell der beiden einzigen deutschen Champions-League-Sieger ist 19.15 Uhr.

Magdeburg. Von "immenser Wichtigkeit" ist der Handball-Schlager in der voraussichtlich ausverkauften Bördelandhalle (Restkarten gibt es an der Abendkasse) auch aus Sicht von THW-Coach Alfred Gislason und seinem Star-Ensemble. Schließlich geht es für sie heute nicht nur um zwei ganz wichtige Punkte für die direkte Königsklassen-Qualifikation, sondern auch darum, sich nach dem Rückschlag durch das Champions-League-Aus ein letztes Mal wieder aufzurappeln. Denn nur mit entsprechender Motivation und Form werden die Kieler am Wochenende beim Finalturnier um den DHB-Pokal ihre letzte Chance auf einen Titel beim Schopfe packen können.

Und so gehen sowohl der Trainer als auch die Spieler und die Verantwortlichen des SCM unisono davon aus, dass heute Abend "Feuer unterm Dach" sein wird, wie es Geschäftsstellenleiter Steffen Stiebler gestern formulierte. Der Ex-Kapitän, der in seiner aktiven Zeit schon so manche Schlacht gegen den THW geschlagen hat, blieb gestern zwar seinem Prinzip treu, keinen Ergebnis-Tipp abgeben zu wollen (Trainer Carstens ließ sich dazu hinreißen, einen Sieg mit einem Tor vorauszusagen, Manager Marc Schmedt sah den SCM mit zwei Treffern vorn), doch eines konnte er mit Bestimmtheit sagen: "Es wird ein spannendes und intensives Spiel."

Da macht es sich auch gut, den Kielern, die gerade im Dauerstress sind, alle drei Tage spielen müssen und mit Negativerlebnissen zu kämpfen haben, als zusätzlichen Rucksack auch noch die Favoritenrolle aufzubürden. "Für mich ist Kiel immer noch die beste Mannschaft der Welt", sagte Carstens und machte dies am schulbuchmäßigen Tempohandball und der physischen Präsenz der Gäste fest. "Wir sollten es also nicht darauf anlegen, mit dem THW die Kräfte zu messen." Vielmehr müsse man auf die Karten Laufspiel, Passgenauigkeit, Wurfqualität, Tempohandball und kollektives Handeln setzen, mahnte der Trainer an, der zuletzt im Training vor allem das Angriffsspiel forciert hatte. "Der THW ist der Top-Favorit, dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir als Außenseiter eine Chance haben und im richtigen Moment zubeißen können. Wenn wir unsere Leistung bringen, könnte es Zeit für eine neue Überraschung sein", frohlockte der Coach, der bis auf den am Knie operierten Keeper Gerrie Eijlers seine Bestbesetzung ins Rennen schicken kann.

Wenn ein "Kampfspiel" wie das heutige ansteht, dann ist auch Bartosz Jurecki wieder voll in seinem Element. Der polnische Kreisspieler scheut den Zweikampf nicht. Im Gegenteil, er sucht ihn und baut zudem auf zusätzliche Unterstützung von den Rängen. "Ich hoffe, dass die Halle ausverkauft und die Stimmung dementsprechend gut ist. Das Publikum will den Sieg, und wir wollen den Sieg. Beim Hinspiel waren wir ja schon dicht dran, wenn wir diesmal auch die letzten zehn Minuten voll durchziehen, ruhig im Angriff spielen und die Ballverluste gering halten, dann denke ich, ist nichts unmöglich."