Die Wiederholung der magischen Nacht von Mailand blieb aus, das erneute Fußball-Wunder eine schöne Illusion: 1:4 (1:2) gedemütigt von Manchester Uniteds B-Elf, verspottet von der englischen Presse - die Schalker Delegation verließ nach dem Halbfinal-Aus mit gemischten Gefühlen das "Theater der Träume".

Manchester (dpa). "Wir fahren erhobenen Hauptes nach Hause. Und wir kommen wieder", sagte der Schalker Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am Ende der wundersamen Champions-League-Reise stolz. Das Duell mit dem englischen Rekordmeister war für den Außenseiter aus Gelsenkirchen eher eine Begegnung der unerfreulichen Art, einen Platz in den Geschichtsbüchern der Königsklasse haben die Schalker aber durch ihre Halbfinal-Premiere sicher.

Das Boulevardblatt "The Sun" verglich den FC Schalke mit einem "Leichtgewicht", der "Daily Telegraph" nannte die überforderten Gäste sogar ein "Freilos ins Finale" für ManUnited. Nach dem Abpfiff flüchteten die Schalker mit hängenden Köpfen wortlos durch die Katakomben des Fußball-Tempels Richtung Mannschaftsbus. Zu chancenlos war der FC 04 gegen das Millionen-Starensemble von Manchester United. 0:2 im Hinspiel, 1:4 in Partie zwei vor 74 607 Zuschauern in Old Trafford - Trainer Ralf Rangnick wusste hinterher nicht, ob er von einer Lehrstunde sprechen oder das Positive bewerten sollte.

"Klar ist, dass wir gegen diesen Gegner an unsere Grenzen gestoßen sind", bilanzierte der Schalker Coach, ehe ihm Sportvorstand Horst Heldt die verbale Steilvorlage lieferte. "Mit dem Halbfinale wurde Historisches geschaffen", hielt Heldt mit Inbrunst in der Stimme fest. Mehr war nicht möglich nach den Toren von Antonio Valencia (26. Minute), Darron Gibson (31.) und dem Doppelschlag des Brasilianers Anderson (72./76.). Das Finale gegen den FC Barcelona war trotz des Anschlusstreffers von José Manuel Jurado (34.) ein unerreichbares Ziel.

Dem UEFA-Cup-Sieger von 1997 hatten ohnehin nur die wenigsten zugetraut, überhaupt jemals zum erlauchten Vierer-Kreis von Europas Fußball-Adel zu gehören. Fast schon trotzig reagierte Innenverteidiger Christoph Metzelder auf die kollektive Ernüchterung seiner Kollegen: "Das Gefühl, dass wir Großes oder sogar Historisches erreicht haben, wollen wir uns nicht nehmen lassen."

Die Schalker Probleme wurden nach der vierten Niederlage in Serie allerdings auch nicht weniger: Das System Felix Magath längst gescheitert, die Identifikationsfigur Manuel Neuer vor dem Absprung, der Kader zu groß, zu instabil, zu teuer, der Effekt des Trainerwechsels möglicherweise schon verpufft.