Morgen wird Nils Petersen in München zum Leistungs-Check erwartet. Auf den kommt es noch an, will der 22-jährige Zweitliga-Torjäger von Energie Cottbus einen Kontrakt beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern unterzeichnen. Irgendwelche Zweifel? "Wir hoffen, dass wir ihn in dieser Woche als Neuzugang vorstellen können", wurde Club-Boss Karl-Heinz Rummenigge gestern im "Münchner Merkur" zitiert.

Magdeburg. Der Junge aus dem Harz macht Karriere. Sein Name ist spätestens seit der abgelaufenen Saison in der zweiten Liga ein fester Begriff in Deutschlands großer Fußballwelt. Auf deren Karte hatte Petersen vor allem bei Energie Cottbus seinen Platz gefunden. 25 Tore markierte der Wernigeröder für das Team von Claus-Dieter Wollitz, er war damit der beste Schütze der Liga. Nicht nur über die Anzahl, vor allem über die Schönheit jener Treffer schwärmt sein Vater Andreas Petersen, zugleich Trainer des aktuellen Regionalliga-Aufsteigers Germania Halberstadt. Und er ist sich sicher: "Nils wird immer ein bodenständiger Junge bleiben, der das Vertrauen, das ihm geschenkt wird, mit aller Leidenschaft und Zuverlässigkeit zurückgibt."

Für Vater Petersen hat damit "eine märchenhafte Entwicklung" seines Schützlings das nächste Ziel erreicht. Beide haben nicht erst in den vergangenen Wochen, aber in jenen besonders intensiv täglich am Telefon über den Fußball, der gerade das Leben des Sohnes verändert und ihn in eine neue Rolle drängt, gesprochen. In Cottbus haben sie ihn nicht verabschiedet am Sonntag beim letzten Saisonspiel, dort pflegte man lieber noch die Ungewissheit über den Wechsel zum FCB. Sowohl Wollitz als auch Petersen selbst sprachen im Vorfeld der Begegnung gegen Oberhausen (3:1) "von einer großen Ehre", dass der Name des 1,88 Meter großen Angreifers mit München in Verbindung gebracht wird.

Den Abschied werden sie nachholen (müssen), wie Petersen, der bei Germania Halberstadt und im Nachwuchs des FC Carl Zeiss Jena ausgebildet wurde, seinen neuen, eigenen Weg gehen muss. Schon im Winter hatte er ein Angebot vom FC Schalke 04, das war verlockend genug, um einen Wechsel in Betracht zu ziehen. Auch Bayer Leverkusen hatte bereits vertragsnah angefragt, Leverkusen und sein Trainer namens Jupp Heynckes. Damals allerdings kämpfte Petersen noch um den Aufstieg im Cottbuser Trikot, damals wollte er sein Team nicht verlassen. Das nicht und seinen Trainer Wollitz auch nicht, zu sehr hatte deren gemeinsame Arbeit gefruchtet. "Er hatte ihn ein halbes Jahr schmoren lassen und ihm dann gesagt: Jetzt kommt deine Zeit", erinnert sich Vater Petersen an jenen Moment vor vielleicht einem Jahr, da der Energie-Coach seinen Schützling aufforderte, erfolgreich zu sein.

Und nun München. "Das kann er genießen", sagt Andreas Petersen. Bayern ist ein Reifeprozess, ab der neuen Saison unter Heynckes, der den Namen des Stürmers im letzten halben Jahr nicht von seiner Liste gestrichen hat. Heynckes hatte erklärt: "Petersen ist klar." Das klingt beiläufig und überzeugt zugleich. Kaum ein anderes Team in Deutschland bietet einem Kicker die Chance, unter dem Prädikat "Weltklasse" zu trainieren und zu spielen.

"Woanders", sagt Andreas Petersen, "woanders hätte er Druck" - wie in Kaiserlautern, da wäre es der Druck, Srdjan Lakic (VfL Wolfsburg) zu ersetzen. Bei Bayern hat Petersen als noch unbekannte Größe unter all den großen Stars nichts zu verlieren, dafür gibt es umso mehr zu lernen. "Es ist die harte Schule", in die ist Petersen auch in Cottbus gegangen - eine schwere Verletzung (Meniskusschaden, acht Wochen Pause 2009) inklusive. Der Vater ist natürlich vom Sohn überzeugt: "Er hat eine Qualität, die ist phänomenal", sagt er. "Aber dafür musste er hart arbeiten und auf vieles verzichten. Das wird oft vergessen."

Und er musste geduldig sein: Bei der C-Jugend in Halberstadt saß Nils Petersen eine Zeitlang nur auf der Ersatzbank. Und morgen tritt er in München beim Leistungs-Check für einen Vertrag beim FC Bayern an - das ist auch so eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt.