Halle. Im Vorjahr waren bei den Werfertagen in Halle angesichts von nur 7 Grad noch Handschuhe und Mütze angesagt, am Wochenende bei sommerlichen 25 Grad konnten die über 500 Athleten aus 28 Nationen dagegen Sonnenbrille und Kopfschutz gut gebrauchen. Und sie wussten das ideale Leichtathletikwetter auch mit Glanzleistungen am laufenden Band zu nutzen - allen voran Hammerwerferin Betty Heidler, die buchstäblich aus heiterem Himmel Weltrekord warf (79,42 Meter) und damit eine langjährige Durststrecke beendete.

"Unglaublich, das ist der pure Wahnsinn", war Heidler, die im dritten Versuch die bisherige Bestmarke der Polin Anita Wlodarczyk vom Juni 2010 um 1,12 Meter verbessert hatte, völlig aufgelöst. "Ich konnte es erst gar nicht glauben. Ich ahnte zwar, dass es sehr weit gegangen war, aber dass es der erste deutsche Leichtathletik-Weltrekord seit der Wende ist, das macht mich zusätzlich stolz", so die Frankfurterin, die eigentlich "nur" mit einem deutschen Rekord geliebäugelt hatte. Der war dem 27-jähigen Wirbelwind gleich zum Auftakt mit 77,19 gelungen.

Dass es dann noch weiter ging, läge vor allem daran, dass sie aufgrund einer "neu gewonnenen Lockerheit" den Dreh nun raus habe. Bedanken wollte sich Heidler hinterher aber auch direkt beim "supertollen Publikum" (2000 Leichtathletik-Anhänger waren Augenzeugen des historischen Momentes) - und indirekt bei Holger Stahlknecht. Sachsen-Anhalts neuer, für den Sport zuständiger Innenminister hatte nach eigenen Aussagen am Wetter "gedreht". Er habe im Namen der Landesregierung seine Beziehungen "nach oben" spielen lassen, "und für heute extra gutes Leichtathletik-Wetter bestellt", erklärte Stahlknecht bei seiner "Antrittsrede" zur Eröffnung der 37. Auflage des Meetings mit Blick zum azurblauen Himmel.

Die von Heidler als "perfekt" eingestuften Bedingungen pushten auch Diskus-Weltmeister Robert Harting zu Höchstleistungen. Dass der Berliner sich gar zur neuen Weltjahresbestleistung von 68,99 Metern aufschwang, hatte aber auch am starken Herausforderer Martin Wierig gelegen. Der Magdeburger hatte gleich im ersten Versuch eine ordentliche Duftmarke gesetzt und mit 67,21 Metern eine persönliche Bestleistung aufgestellt. "Es hat sich bereits im Training angedeutet, dass es weit gehen könnte, aber dass ich gleich so weit werfe, überrascht mich selbst ein wenig", strahlte der 23-Jährige wie ein Honigkuchenpferdchen über das Gelingen seines Vorhabens, "so früh wie möglich die Norm abzuhaken, damit ich mich in Ruhe auf die WM vorbereiten kann".

Die Titelkämpfe in Südkorea (27. August bis 4. September) hat auch SCM-Teamkollegin Nadine Kleinert fest im Visier. Die 35-Jährige gewann mit guten 19,16 Metern das Kugelstoßen der Frauen zwar souverän, dennoch war sie "nicht ganz zufrieden", denn es sei mehr drin gewesen. "Aber dazu fehlt mir nach dem vierwöchigen USA-Trainingslager noch die Wettkampfhärte." " ... und Konkurrenz, die sie noch mehr fordert", fügte Trainer Klaus Schneider an.

"Gar nicht mal so schlecht" fand auch SCM-Neuzugang Josephine Terlecki ihren dritten Rang, auch wenn ihr mit 18,12 m noch ein Stück zur WM-Norm (18,40 m) fehlte. Schneider dazu: "Das war für den Anfang ganz okay, die Norm hat ,Josi\' auf jeden Fall drin."

Bereits aller Norm-Sorgen ledig ist dagegen Diskuswerferin Nadine Müller. Zwar musste sie sich mit Rang zwei hinter Siegerin Li Yanfeng (66,18/China) zufrieden geben, doch auch ihre 66,05 Meter "sind ja auch nicht von schlechten Eltern", fand die Hallenserin.